Turmführungen waren ausgebucht

Glockenspielfestival in der Karlskirche zog viele Besucher an

Stöcke statt Tasten: Leonard Reh demonstriert den Besucherinnen Edith Bringmann (links) und Ingrid Rönz, wie der Spieltisch funktioniert.

Kassel. Über den Karlsplatz und die Obere Königsstraße schallt glockenklar „Yesterday“ von den Beatles, im Kirchturm klappert und stampft es zu den Tönen. Ein Glockenspieler hört den Musikgenuss, den er anderen bereitet, immer nur mit Einschränkung.

Denn das Anschlagen der Tasten (Stöcke) des Spieltischs, mit denen die 47 Glocken zum Klingen gebracht werden, verursacht laute Nebengeräusche.

Beim Glockenspielfestival, das am Wochenende zum zehnten Mal in der Karlskirche stattfand, waren viele Besucher fasziniert von der Spieltechnik. „Man denkt bei Glocken ja erst mal, da zieht jemand an Seilen“, sagte Dorle Klindt aus Wehlheiden, die die Gelegenheit nutzte, in den Turm zu steigen. „Ich habe das schöne Glockenspiel schließlich schon so oft gehört, aber noch nie gesehen.“ Die halbstündigen Führungen waren ausgebucht.

Dass ein Glockenspiel viel mehr ist als ein einfaches Kirchengeläut, das die Stunde schlägt und zum Gottesdienst bimmelt, bewiesen eindrucksvoll die Solisten des Festivals: Der Niederländer Wim Ruitenbeek (Amersfort), Stefan Duschl (München) und Stefan Klockgether (Goslar) sowie Gastgeber Wilhelm Ritter zeigten mit Werken von Vivaldi bis Piazzolla die Vielseitigkeit des Instruments und ihre eigene Virtuosität am Spieltisch.

45 Glockenspiele gibt es deutschlandweit. Das Carillon - so der Fachbegriff - in der Karlskirche wurde 1957 eingeweiht. Es ist das Einzige in Nordhessen. Fünf Kasseler Carilloneure spielen darauf, darunter Ritters Schüler Leonard Reh (18) und Daniel Schaumlöffel (23).

„Es ist einfach ein wahnsinnig beeindruckendes Instrument mit einem außergewöhnlichen Klang“, sagt Daniel Schaumlöffel. „Und es ist cool, dass man als Spieler zwar nicht gesehen, aber weitläufig gehört wird“, ergänzt Leonard Reh. Und wer das Carillon beherrscht, sagt er, kann sich nebenbei sogar unterhalten - das Publikum vor der Kirche hört schließlich nur den süßen Glockenklang.

Das Glockenspiel der Karlskirche ist immer montags und mittwochs (17.30 Uhr), freitags (11.30 Uhr) und sonntags (9.30 Uhr) zu hören.

Von Katja Rudolph

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