Skepsis bei Hausärzten - Längere Wartezeiten im Impfzentrum möglich

Dritte Corona-Impfung in Kassel und im Kreis ab Mittwoch

Corona-Impfung
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Menschen über 79 Jahren können ab Mittwoch ihre Corona-Impfung auffrischen lassen.

Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für die Corona-Auffrischungsimpfungen gibt es zwar noch nicht, trotzdem haben die Gesundheitsminister beschlossen, dass diese nun möglich sind.

So können sich ab Mittwoch alle, die mindestens 80 Jahre alt sind, zum dritten Mal impfen lassen. Gleichzeitig kratzt Kassel an der 100er-Marke bei der Inzidenz - was strengere Regeln zur folge haben könnte. Fragen und Antworten:

Wo können sich die Impfberechtigten impfen lassen? Möglich ist das in den Impfzentren neben dem Auestadion und in Calden bis zu deren Schließung am 30. September. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig. Vorgesehen sind die Impfungen für alle, deren Zweitimpfung länger als sechs Monate zurückliegt. Laut Stadtsprecherin Simone Scharnke seien bisher rund 9500 Menschen, die älter als 79 Jahre sind und in Kassel wohnen, im Impfzentrum oder durch die mobilen Teams gegen das Virus immunisiert worden.

Welche Impfstoffe werden verimpft? Verimpft werden nun die Wirkstoffe von Biontech oder Moderna.

Was muss ich zur Impfung mitbringen? Wer sich in einem der hessischen Impfzentren zum dritten Mal impfen lassen will, sollte seine Ausweispapiere bei sich haben, möglichst auch seinen gelben, internationalen Impfausweis. Sollte dieser nicht vorhanden sein, wird die Corona-Schutzimpfung durch eine Impfbescheinigung dokumentiert. Auch für diese Impfung wird ein QR-Code für den digitalen Impfnachweis ausgestellt. Wie auch die Erst- und Zweitimpfung sind die Booster-Impfungen kostenlos.

Ist mit einem größeren Andrang am Impfzentrum zu rechnen? Das Impfzentrum Kassel geht davon aus, dass das Angebot zur Auffrisch-Impfung gut angenommen wird, teilt Stadtsprecherin Simone Scharnke mit. Gerade in den ersten Tagen könne es deshalb zu längeren Wartezeiten im Impfzentrum kommen – zumal das Personal sowohl vor Ort als auch in den mobilen Teams eingesetzt werde.

Wird auch in Altenheimen geimpft? Ja. Parallel zur Aktion in den Zentren starten mobile Impfteams ab Mittwoch die sogenannten Booster-Impfungen in Alten- und Pflegeheimen. Im Landkreis sind diese ab Montag geplant.

Was sagen die Hausärzte? Auch Hausärzte können laut der Gesundheitsministerkonferenz die Drittimpfungen übernehmen. Allerdings sieht Dr. Uwe Popert vom Vorstand des Hausärzteverbandes Kassel die Sache skeptisch. Es stehe bis jetzt nicht fest, wer die dritte Impfung bekommen soll, sagt der Allgemeinmediziner. Solange die Stiko nichts empfiehlt, werde er in seiner Praxis keine Booster-Impfung anbieten. Popert geht davon aus, dass die meisten niedergelassenen Ärzte diese Auffassung vertreten. Zumal es keine juristische Absicherung gebe.

Wie haben sich die Zahlen in Stadt und Kreis entwickelt? 20 neue Fälle meldete das Gesundheitsamt für den Sonntag und den Montag für Kassel, für den Landkreis waren es 31. Die Zahl der aktuell Infizierten stieg im Vergleich zum Samstag um 15 auf 339 in der Stadt und um 26 auf 243 im Kreis. Neue Todesfälle gab es erneut nicht. 18 (+ 2) Infizierte wurden im Krankenhaus behandelt, 4 von ihnen intensivmedizinisch.

Und wie sieht es bei der Sieben-Tage-Inzidenz aus? Sie sank in Kassel am Sonntag zunächst auf 94,5 (Samstag: 103,4) und stieg dann am Montag wieder auf 98,4. Im Landkreis sank der Wert am Sonntag auf 40,5 (Vortag: 43,5) und stieg am Montag auf 48,6.

An Montagen steigen die Zahlen in der Regel weniger stark als in der Woche. Woran liegt das? Weil am Wochenende weniger getestet wird und auch weniger Labore Zahlen melden, fallen die Zahlen am Sonntag und Montag meist geringer aus. Auch an Feiertagen lässt sich dieses Phänomen beobachten. Schon am heutigen Dienstag dürften die Zahlen wieder deutlicher ansteigen.

Gibt es nun schon neue Regeln für Kassel? Nein. Strengere Corona-Regeln für Ungeimpfte und Nicht-Genesene wird es zunächst nicht geben. Zwar lag Kassel am Samstag bei einer Inzidenz von 103,4, sodass die Landesregeln eine Verschärfung der Maßnahmen vorsehen, seither knackte die Stadt die 100er-Marke aber nicht mehr. „Wir beobachten die Entwicklung“, sagt Stadtsprecher Claas Michaelis. Liege die Inzidenz beständig über 100, werde gehandelt. Die Maßnahmen gebe wiederum das Eskalationskonzept des Landes vor.

Was passiert, wenn die Inzidenz in den nächsten Tagen die 100er-Marke überschreitet? Die 3G-Regel (Zutritt nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete) wird noch mal ausgeweitet, wenn die Inzidenz über 100 steigt. Die 3G-Regel gilt dann auch draußen in Freizeit- und Kultureinrichtungen, beim Amateursport und in der Außengastronomie. Es gibt zudem wieder eine Zehn-Personen-Kontaktbeschränkung für Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene. Im Einzelhandel sind wieder Quadratmetervorgaben einzuhalten.

Außerdem wird die Maskenpflicht ausgeweitet: In der Schule gilt sie dann auch am Sitzplatz. Das Personal in Alten- und Pflegeheimen, bei körpernahen Dienstleistungen und Fahrgäste im ÖPNV müssen wieder FFP2-Masken tragen. Veranstaltungen sind bei einer Inzidenz über 100 bereits mit mehr als 200 (draußen) beziehungsweise 100 (drinnen) Teilnehmern genehmigungspflichtig. Geimpfte und Genesene zählen allerdings nicht mit. Zudem gibt es eine Homeoffice-Empfehlung. (Robin Lipke und Marie Klement)

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