Anklage: Göker hat Provisionsrückzahlung von 20.500 Euro in eigene Tasche gesteckt

Prozess gegen Göker: Urteil frühestens im neuen Jahr

Kassel. Dramatische Szenen im Prozess gegen Mehmet Göker: Der Hauptbelastungszeuge Stefan T. weigerte sich, in Anwesenheit des Ex-MEG-Chefs auszusagen. Göker wurde daher zeitweise des Gerichtssaales verwiesen. Am Freitag gab es noch kein Urteil.

Der Prozess am Freitag ging ohne Urteil zu Ende. Es sollen noch weitere Zeugen gehört und ein Schriftgutachten eingeholt werden. Ein neuer Termin dafür steht allerdings noch nicht fest, er wird erst im neuen Jahr liegen.

Am Nachmittag hatte sich noch ein Freispruch für Mehmet Göker abgezeichnet. Denn: Zum Zeitpunkt, an dem der Hauptbelastungszeuge Stefan T. Göker 20.500 Euro in Kassel übergeben haben will, hielt dieser sich in der Türkei auf. Dies belegte der Ex-MEG-Chef mit Unterlagen der türkischen Polizei über seine Aus- und Einreise nach Deutschland.

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Stefan T., früher Organisationsdirektor der Stuttgarter MEG-Niederlassung, will Mehmet Göker 20.500 Euro aus Provisionsrückzahlungen von Versicherungen übergeben haben. Laut Anklage soll Göker das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben. Er hätte es aber bei der MEG oder beim Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle abliefern müssen.

Kurz nach Beginn der Verhandlung wurde der Prozess unterbrochen, denn Stefan T. fühlt sich nach eigenen Angaben von Göker bedroht. Deshalb weigerte er sich, im Saal auszusagen. Daraufhin entschied die Vorsitzende Richterin Miriam Hartling, dass der Angeklagte den Raum verlassen muss. Hartling: "Da der Zeuge Angst vor dem Angeklagten hat, besteht die Gefahr, dass er nicht die Wahrheit sagt, wenn der Angeklagte zuhört." 

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Dokumentarfilmer Klaus Stern hat Gökers MEG-Zeit begleitet. Filme sehen Sie in unserem Youtube-Kanal:

Video: Mehmet Göker steht Rede und Antwort

Video: Göker-Film - Premiere in Kassel

Video: Trailer des Göker-Films

Hier: Regiowiki-Eintrag zu Mehmet Göker

Fotos vom Tag im Gericht

Prozess gegen Göker blieb vorerst ohne Urteil

Nach einer Pause wurde Göker zeitweise von der Verhandlung ausgeschlossen. Stefan T. sagte aus, dass er eine anonyme Drohung erhalten habe, die er Göker oder seinem Umfeld zurechne. Darum habe er Angst gehabt, im Beisein seines ehemaligen Chefs auszusagen.

T. hatte dem Gericht ein ärztliches Attest vom 7. Februar vorgelegt, das ihm eine "akute Angststörung und Panikattacken" bescheinigt.

Der ehemalige MEG-Mitarbeiter gab an, Göker insgesamt 75.000 Euro in bar überreicht zu haben. Das Geld stammte aus Provisionszahlungen, die er von Versicherungen erhalten habe. Da die Verträge annulliert worden seien, musste er diese zurückzahlen. Die letzte Geldübergabe in Höhe von 20.500 Euro fand laut T. in Kassel statt, unter anderem in einem Restaurant am Herkules. T. beeidete seine Aussage.

Mehmet Göker widersprach dem: Er erklärte, dass T. lüge. Er forderte ihn auf, die Verträge offenzulegen. Darin stünde, warum er die Provison hätte zurückzahlen müssen. Nie habe ein MEG-Mitarbeiter eine Provision aus den von T. genannten Gründen zurückgeben müssen. Diese seien immer mit den zu erwartenden Provisionen des nächsten Monats verrechnet worden.

Der Prozess wurde am früehen Nachmittag erneut unterbrochen, denn Gökers Verteidiger hatte einen Befangenheitsantrag gegen die Vorsitzende Richterin gestellt. Die Rechte der Verteidigung würden eingeschränkt, so Nagel. Über den Antrag musste eine andere Richterin entscheiden.

Göker zeigte sich von T.s Auftreten empört: Stefan T. sei ein "Irrer". T. habe ihm noch am 2. April zum Geburtstag gratuliert. Die Vorwürfe seien "erstunken und erlogen". T. war Göker zufolge 2008 der erfolgreichste MEG-Mitarbeiter und verdiente 300.000 Euro im Jahr.

Die Verhandlung vor dem Kasseler Amtsgericht war bereits zwei Mal wegen Krankheit verschoben und auf den heutigen Freitag terminiert worden. (tho)

Rubriklistenbild: © Herzog

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