Insolvenzanmeldung der DRK-Kliniken Nordhessen

DRK-Basis in Kassel vermutet abgekartetes Spiel

Eingang der DRK-Kliniken Nordhessen im Kasseler Stadtteil Wehlheiden.
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Schlechte Wetterlage: Die Stimmung in den DRK-Kliniken war schon mal besser.

Die Diskussionen um die Zukunft der DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel reißen nicht ab. Nach dem Insolvenzantrag vermutet die DRK-Basis ein abgekartetes Spiel.

Kassel – Nachdem die DRK-Kliniken Nordhessen am Montag Insolvenz angemeldet haben, befindet sich der Antrag nun bei der Schwesternschaft, einem der beiden Träger des Krankenhauses. „Unsere Anwälte prüfen das Ganze“, sagt Claudia Nehrig, Oberin der Schwesternschaft und zugleich Geschäftsführerin der Einrichtung. Bis nächsten Dienstag hat die Schwesternschaft Zeit, die Unterlagen durchzusehen.

Hintergrund ist, dass Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis hinter ihrem Rücken den Antrag beim Amtsgericht gestellt habe, wie Nehrig erklärt. Die E-Mail, in der Lottis die Betroffenen über seine Pläne informiert hat, verschickte er am Montagmorgen um 4.44 Uhr. Der Antrag müsse von beiden Geschäftsführern unterschrieben werden, erklärt Nehrig, die mit der Schwesternschaft weiterhin darum kämpft, dass ein finanzstarker Partner als Mehrheitsgesellschafter einsteigt. Ein Konsortium um die Convivo-Gruppe hat bereits ein verpflichtendes Kaufangebot vorgelegt.

Unterdessen hat am Dienstag der Vorstand des zweiten Gesellschafters, des Vereins DRK Soziale Dienste und Einrichtungen (SDE), in einem Schreiben an seine Mitglieder erklärt, dass es für Lottis aufgrund der finanziellen Lage und gesetzlicher Vorschriften keine andere Möglichkeit gegeben hätte, als den Schritt zum Insolvenzrichter zu machen. Die dreiseitige Erklärung liegt dieser Zeitung vor. Darüber hinaus hat die HNA erfahren, dass ein großer Teil der DRK-Mitglieder die Umstände skeptisch betrachtet. Die Basis vermutet ein abgekartetes Spiel – eine gemeinsame Sache von Lottis mit dem eigenen SDE-Vorstand.

Oberin Nehrig hat ihre eigene Theorie. Wenn ein Investor Anteile kauft und dann das Sagen hat, wackelten zwei Jobs, nämlich ihr eigener und der von Lottis. Gehe es aber in ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, dann stünden für 1100 Mitarbeiter die Jobs auf dem Spiel, „nur einer säße sicher im Sattel“, sagt Nehrig. Und damit meint sie Lottis.

In der Diskussion um einen möglichen Verkauf an die erwähnte Bietergruppe wird vonseiten des Vereins SDE weiter argumentiert, dass eine Finanzierungsbestätigung fehle. Die kann der Investor aber nur geben, wenn er Datengrundlagen erhält. Die Herausgabe der Daten wiederum haben SDE und Lottis verhindert, weil, wie berichtet, keine Vertraulichkeitsvereinbarung vorgelegen habe.

Nehrig und der für die Schwesternschaft tätige Anwalt Thomas Köhler haben den Vorgang der Staatsanwaltschaft übergeben. Die soll überprüfen, ob Lottis und der SDE-Vorstand treuwidrig gehandelt haben. (Robin Lipke)

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