Regulärer Verkauf des Krankenhauses gescheitert

Schock für DRK-Kliniken in Kassel: Insolvenzverfahren nicht gestoppt

Das Foto zeigt den Eingang der DRK-Kliniken Nordhessen.
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Turbulente Tage: Die DRK-Kliniken müssen in ein Insolvenzverfahren.

Bis zuletzt haben die Verantwortlichen der DRK-Kliniken dafür gekämpft, dass ein Insolvenzverfahren noch gestoppt wird. Ein Investor sollte einsteigen. Das ist gescheitert.

Kassel – Die DRK-Kliniken Nordhessen müssen nun doch den Gang in ein Insolvenzverfahren antreten. Damit ist ein zuletzt angestrebter regulärer Verkauf gescheitert. Am 7. Juni hatte der ehemalige Sanierungsgeschäftsführer Alexander Lottis beim Kasseler Amtsgericht den Antrag auf ein Insolvenzverfahren eingereicht. Den Verantwortlichen ist es in der Kürze der Zeit nicht gelungen, dieses Verfahren zu stoppen.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter, der die Führung des Unternehmens übernimmt, wurde Franz-Ludwig Danko, Fachanwalt für Insolvenzrecht, vom Gericht eingesetzt. Dessen Ziel, so heißt es in einer Pressemitteilung, sei „eine Sanierung der Kliniken inklusive dem Erhalt möglichst aller Arbeitsplätze“. Für Patienten und Zuweiser werde sich durch den Insolvenzantrag nichts ändern, wird Danko in der Mitteilung zitiert: „Die Leistungen der DRK-Kliniken werden weiter in vollem Umfang erbracht.“

In den nächsten Tagen und Wochen wird Danko mit seinem Team die wirtschaftliche Situation der Kliniken eingehend analysieren und die Sanierungsoptionen ausloten. Denkbar seien eine Investorenlösung oder auch eine Art Vergleich mit den Gläubigern. Danko betont, dass die DRK-Kliniken für die medizinische Versorgung in Kassel und Umgebung eine wichtige Rolle spielten: „Das soll in Zukunft so bleiben.“

Danko habe bereits Kontakt mit der Bundesagentur für Arbeit aufgenommen, um die Auszahlung der Löhne und Gehälter sicherzustellen.

Geschäftsführerin Claudia Nehrig war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ebenso wenig äußerte sich Manuel Berger, der erst vor zwei Wochen als Interims-Geschäftsführer für Lottis in dem finanziell angeschlagenen Krankenhaus eingestiegen war.

Nach Informationen dieser Zeitung haben die Kliniken Darlehens-Verpflichtungen in Höhe von mehr als 14 Millionen Euro. Darüber hinaus ist das Gebäude in Wehlheiden extrem sanierungsbedürftig. Deshalb wurde das Ziel verfolgt, einen Mehrheitsgesellschafter ins Boot zu holen. Eine Bietergemeinschaft um die Convivo-Gruppe galt als aussichtsreicher Kandidat, zumal von Investitionen von mehr als 64 Millionen Euro die Rede war.

Manfred Wölfert, Vorsitzender des Kaufunger Vereins DRK Soziale Dienste und Einrichtungen (SDE), bedauert, dass ein regulärer Verkauf nun vom Tisch sei: „Wir als einer der beiden Träger der DRK-Kliniken hätten diese Lösung unterstützt.“ Wölfert geht davon aus, dass am Ende die nötige Zeit gefehlt habe. (Robin Lipke)

Lesen Sie hierzu eine Gegendarstellung von Alexander Lottis vom 7. Juli 2021.

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