Eine Test-Ära geht zu Ende Dankbarkeit groß

DRK schließt Corona-Testzentren und zieht positive Bilanz

Ein Mitarbeiter des DRK steht im Corona-Testzentrum in Wolfhagen und wartet auf das Testergebnis.
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Ein Mitarbeiter des DRK steht im Corona-Testzentrum in Wolfhagen und wartet auf das Testergebnis.

Wer sich jetzt noch in einem Zentrum des DRK-Kreisverbands Kassel-Wolfhagen auf Corona testen lassen möchte, der muss sich ranhalten – und dafür bis nach Habichtswald fahren.

Kassel – Alle anderen sieben Testzentren in der Kasseler Innenstadt, Niestetal, Schauenburg, Vellmar, Wolfhagen, Naumburg und Zierenberg sind bereits geschlossen. Habichtswald folgt am 8. Oktober. Hintergrund ist die neue Testverordnung, die das Ende der kostenlosen Bürgertests zum 11. Oktober vorgibt.

Danach muss für Corona-Tests im kommerziellen Kontext, etwa in Apotheken, bezahlt werden. Für das Deutsche Rote Kreuz und seine Mitarbeiter geht eine kleine erfolgreiche Ära zu Ende. Seit Mitte März haben sie in und um Kassel 191 367 Testungen vorgenommen, 0,1 Prozent waren davon positiv.

Spitzenreiter bei den Tests war der 2. Juni. Da wurden an einem Tag 2430 Menschen getestet. Die Ergebnisse bekam täglich das Gesundheitsamt übermittelt. Das konnte dann nach den Sommerferien vermelden, dass die Zahl der positiven Tests im Vergleich zum Vormonat um den Faktor 20 angestiegen war: der Beweis für die Notwendigkeit des Jobs im Testzentrum.

„Es ging ja genau darum, die Positiven rauszufischen, um die Verbreitung von Corona einzudämmen“, so DRK-Kreisgeschäftsführer Holger Gerhold-Toepsch. Von Anfang an habe man sich dazu entschieden, auch Kinder zu testen.

Immer wieder und vor allem zum Ende, gab es überwältigende Dankbarkeitsbekundungen für die Mitarbeiter in den Testzentren, sagt Sabine Grabow, die vom 1. April an in Niestetal im Einsatz war. „Die Menschen haben uns Kuchen gebacken, die Kinder Bilder gemalt und immer wieder wurde gesagt, wie froh man über das DRK-Angebot sei.“

Dabei müsse sie das Lob zurückgeben: „Die Menschen, die zu uns kamen, waren freundlich und ertrugen temporäre Wartezeiten mit Langmut.“ Grabow empfand die Testungen als solidarischen Akt im Kampf gegen Corona: „Da habe ich viele wertvolle Momente erlebt.“

Erst jetzt, mit Schließung der Zentren, blicke man in Ruhe auf eine arbeitsintensive Zeit und eindrucksvolle Zahlen zurück“, sagt Gerhold-Toepsch. Und darauf, wie alles begonnen hatte. Nämlich „von jetzt auf gleich“. Nach nur einer Woche Vorbereitungsphase öffneten die DRK-Testzentren am 22. März. Vorher mussten 40 Mitarbeiter, darunter viele Quereinsteiger aus anderen Branchen wie der Gastronomie rekrutiert und geschult werden.

Durch die rote Tür ging es zum Testen: Die Mitarbeiter des Deutschen Rote Kreuzes erreichten unzählige Dankbarkeitsbekundungen wie diese Kinderzeichnung vom Testzentrum in Niestetal.

Harald Bittmann hat vom ersten Tag an im Testzentrum Vellmar gearbeitet. Seine Arbeitsstelle als orthopädischer Schumacher hatte er coronabedingt verloren. Ein Freund, der beim Roten Kreuz arbeitet, rief ihn an und fragte: „Willste nicht zu uns kommen?“ Eine Woche später ging er schon mit dem Teststäbchen an den Start. Dazu kamen 169 Spontanhelfer, die sich als Ehrenamtliche zur Verfügung stellten und vor allem für die Wochenenden eingesetzt wurden. Denn das DRK hat sein Angebot an sieben Tagen die Woche aufrecht gehalten. Allein im Ehrenamt sind so 14 000 Einsatzstunden zusammengekommen.

Unter den Getesteten war alles vertreten: vom drei Wochen alten Säugling über Schulklassen. Vereinssportler, Friseurkunden, internationale documenta-Künstler bis hin zu Busreisenden, die von der Autobahn abfuhren, um sich in Nordhessen testen zu lassen. „Wurde jemand positiv getestet, gaben wir der Person Adressen an die Hand und berieten die weitere Vorgehensweise.“

Für das Amt der Logistik, Planung und Prozessentwicklung, das ebenfalls aus dem Nichts entstehen musste, waren Jochen Rühle, Gerd Appel und Wolfgang Weber verantwortlich. „Als Blaupause konnten wir das DRK-Zentrum in Düsseldorf nehmen, eines der ersten bundesweit“, sagt Weber. Große Unterstützung habe es vom Landkreis gegeben, wo in vielen Gemeindehäusern getestet werden konnte. Im Folgenden musste sich Weber um die Beschaffung von Masken, Handschuhen, Desinfektionsmittel und mehr kümmern.

Das sorgfältige Vorgehen habe auch dazu geführt, dass sich keiner der Mitarbeitenden im DRK-Testzentrum infiziert hat, so Gerhold-Toepsch. Darauf könne man ebenfalls stolz sein. (Christina Hein)

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