JVA Wehlheiden

Drogen für den Knast: Zwei Jahre zusätzlich für Mörder

Kassel. Weil er sich von seiner Frau Drogen ins Gefängnis Wehlheiden bringen ließ, bekam ein lebenslänglich sitzender Mörder zwei zusätzliche Jahre Haft.

Seit 18 Jahren sitzt der 54-jährige Mann nun schon im Gefängnis seine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes ab. Ob ihn da die zwei Jahre zusätzlich, zu denen Amtsrichter Klaus Döll ihn gestern wegen Drogenschmuggels verurteilte, besonders beeindrucken, ließ der Angeklagte nicht erkennen.

Seine 58-jährige Ehefrau aus Hanau, die im Juli vergangenen Jahres knapp 80 Gramm Haschisch und 30 Subutex-Tabletten (ein Betäubungsmittel zur Behandlung von Opioidabhängigkeit) - in ein Kondom verpackt - in ihrer Vagina in den Wehlheider Knast geschmuggelt hatte, kam mit einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten davon, zudem muss sie 75 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Vor diesem Urteilsspruch musste Richter Döll ein Dickicht aus Falschaussagen, Lügen und phantasievollen Geschichten lichten. Dazu zog er sanft, aber beharrlich die Daumenschrauben an, ließ sogar per Telefon den Kripo-Beamten in den Gerichtssaal kommen, dem die „Revolvergeschichten“ der Ehefrau schon bei der Vernehmung im Vorjahr spanisch vorgekommen waren.

Am Ende räumten die beiden Angeklagten ein, dass die Frau Haschisch und Subutex-Tabletten in Hanau besorgt und ihrem Mann bei einem Besuch ausgehändigt hatte. Der hatte die Betäubungsmittel im After verstaut in seine Zelle gebracht, wo sie wenig später gefunden wurden. Das Haschisch wollte der 54-Jährige selbst konsumieren und verkaufen. Mit den Tabletten sollten nach seinen Worten Schulden bei russischen Mitgefangenen beglichen werden, von denen der Angeklagte während der Haft Heroin erhalten hatte.

Beide Angeklagten waren schon früher wegen Drogendelikten verurteilt worden. Der Mann, der mit südhessichem Zugenschlag die Schuld voll auf sich nahm, hat dabei ein bis 1981 zurückreichendes Sündenregister von Diebstahl, Hehlerei und Drogenhandel über Raub bis zum Mord aufgebaut.

Die Frau, die ihn 2010 im Knast heiratete, wurde dagegen erst mit 51 erstmals straffällig. Ihr bescheinigte Richter Döll, ein Opfer der Abhängigkeit zu ihren kriminellen Männern geworden zu sein und sprach von einer günstigen Sozialprognose.

„Wir können es leider nicht ändern, dass auch im Knast mit Drogen gehandelt wird“, stellte der Richter fest. Ob er denn nach 18 Jahren hinter Gittern nicht schon etwas „Licht am Horizont“ gesehen habe, wollte Döll von dem Angeklagten wissen. „Jetzt nicht mehr“, antwortete der lakonisch mit Blick auf das neue Urteil. 150 Euro, die der Angeklagte seiner Frau aus den Drogenverkäufen im Knast ausgehändigt hatte, konfiszierte das Gericht. Sie gehen an die Aktion Advent.

Von Thomas Stier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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