Landgericht: 30-jähriger Angeklagter ist laut Staatsanwaltschaft in 150 Fälle verwickelt

Drogen an Jugendliche

Kassel. In 150 Fällen soll ein 30-Jähriger Marihuana an Jugendliche verkauft haben, deshalb sitzt er seit Montag auf der Anklagebank des Landgerichts.

Unter anderem eine Gruppe von Schülerinnen soll zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 Marihuana von ihm bezogen haben, zwischen ein und zehn Gramm pro „Geschäft“, zehn Euro kostete das Gramm.

Der Angeklagte schwieg am Montag, sein Anwalt Nikolaus Krebsbach-Noske erklärte, dass der ältere Bruder seines Mandanten den Drogenhandel in Gang gebracht und dann seinen Bruder damit beauftragt habe, das abgepackte Marihuana an die Kunden zu liefern und das Geld zu kassieren. Dieser Bruder, gegen den ebenfalls ein Verfahren lief, hatte sich im vergangenen Jahr das Leben genommen, er kann sich also zu den Vorwürfen nicht mehr äußern. Die beiden sollen, so die Staatsanwaltschaft, ihren Lebensunterhalt mit dem Drogenhandel bestritten haben, verschärfend komme hinzu, dass ihre Kunden Jugendliche waren.

Eine heute 16-jährige Schülerin, die eine dieser Abnehmerinnen war, sagte am ersten von zwei geplanten Verhandlungstagen vor der 10. Strafkammer, sie habe den Angeklagten beim Boxen kennengelernt, dort sei der 30-Jährige Trainer gewesen. Vor zwei Jahren begann sie mit dem Kiffen, bei einem Antiaggressionstraining traf sie andere Mädchen, die dieser zweifelhaften Leidenschaft ebenfalls frönten. „Seitdem kauften wir immer dann, wenn wir etwas brauchten, bei dem Angeklagten.“

Schmuck als Pfand

Und das kam immer öfter vor. Zeitweise verabredeten sich die minderjährigen Kundinnen mit ihrem Dealer sogar täglich, mitunter mehrmals am Tag. Nicht immer konnten sie das Geld aufbringen, um den Stoff auch zu bezahlen. Dann gaben sie entweder Schmuck als Pfand ab und lösten ihn später wieder ein, wenn genügend Geld zusammengekommen war.

Nach und nach wurden die Jugendlichen selbst kriminell. Die 16-Jährige und ihre Schwester stahlen - wie sie am Montag selbst berichteten - der Mutter Geld, später wurden andere Jugendliche „abgezogen“. Dreimal überfiel die Clique ältere Damen und raubte ihnen Bargeld. Einige der Mädchen kassierten deshalb bereits eine Strafe, die 16-Jährige verbrachte zwei Wochen im Jugendarrest.

Sie und ihre Schwester machten gestern teilweise ungenaue Angaben zu den Mengen an Marihuana und den Zeiträumen, in denen sie den Stoff von dem Angeklagten bekommen haben wollen, zudem gaben sie an, dass sie in dem Zeitraum, um den es in der Anklage geht, auch von anderen Dealern Drogen bezogen hatten.

Am Mittwoch soll der Prozess fortgesetzt werden.

Von Ralf Pasch

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