Radunfall mit Heroin

Drogendealer erhält durch Haft in Entziehungsanstalt neue Chance

Kassel. Dafür, dass er seit über zehn Jahren auf harten Drogen hängt, machte der 38-jährige Mann im hellgrünen Trainingsanzug auf der Anklagebank des Landgerichts einen überraschend klaren und hellwachen Eindruck.

Als ihn Richter Stanoschek als Vorsitzender der 5. Strafkammer zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilte, die in einer Entziehungsanstalt zu verbüßen sind, nickte er geradezu dankbar und nahm das Urteil sofort an, das damit rechtskräftig ist.

Der Schuldspruch ist das vorläufige Ende einer langen Karriere als Drogenkonsument und Dealer, verbunden mit zahlreichen Verurteilungen wegen Beschaffungskriminalität. Die Scheidung sowie der Verlust von Wohnung und Arbeitsstelle hätten ihn nach einer Konsumpause zurück zu den Drogen getrieben, berichtete der voll geständige Deutsche mit polnischen Wurzeln.

Im November 2013 war er bei einer Zufallskontrolle der Polizei mit 60 Gramm portioniertem Heroin und Kokain im Bereich der Kurt-Schumacher-Straße erwischt worden.

Ein halbes Jahr später hatte er eine ähnliche Menge bei sich, als er im Franzgraben mit dem Fahrrad stürzte und sich schwer verletzte. In den Städtischen Kliniken wurden später weitere 20 Gramm Heroin und Kokain gefunden, die der Mann in Plompen verpackt im Rachenraum, im After und im Darm mit sich herumtrug. Er habe bei einem Freund übernachtet und plötzlich - wohl als Folge des jahrlangen Drogenkonsums - die Paranoia bekommen, sein Gastgeber hätte ihn verraten und die Polizei gerufen. In Panik schluckte er die Drogen oder versteckte sie im Körper.

Die Anklage rechnete dem Mann zugute, dass etwa die Hälfte der bei ihm gefunden Drogen für den Eigenbedarf gedacht gewesen seien. Mit dem Verkauf des Restes habe er wiederum Geld für den eigenen Konsum beschaffen wollen.

Strafverschärfend sei allerdings zu bewerten, dass der Mann zwei Messer bei sich hatte, davon ein per Gesetz verbotenes Einhandmesser. Der Ankläger hatte daher drei Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung befand zwei Jahre und acht Monate als angemessen.

Richter Stanoschek blieb mit zwei Jahren und zehn Monaten in der Mitte. Er verwies auf zahlreiche abgebrochene Therapien des Angeklagten, erkannte aber an, dass der Mann, der eine kurze Haftstrafe absitzt, derzeit drogenfrei sei.

Das sofort vollstreckbare Urteil in der Entziehungsanstalt sei eine neue Chance, meinte Stanoschek. Bei erfolgreicher Therapie könne er nach zwei Jahren zur Bewährung entlassen werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.