42-Jähriger gesteht Heroinhandel - Menge ist strittig

Prozess: Drogendealer hatte nur eine Kundin

Kassel. Von einer „Geschäftsbeziehung“ ist die Rede. Von „Material“ und „Zahlungsschwierigkeiten“. So könnte auch sprechen, wer mit Ziegelsteinen oder Kugelschreibern handelt. Doch es geht um Drogen.

Vor dem Kasseler Landgericht muss sich seit am Dienstag ein 42-Jähriger aus Vellmar verantworten, weil er zwei Jahre lang mit Heroin gedealt haben soll.

Von November 2010 bis zu seiner Festnahme im November 2012 habe der Mann eine heute 29 Jahre alte Kasselerin mit Stoff versorgt, heißt es in der Anklage. Regelmäßig habe er der drogenabhängigen Friseurin Heroinzubereitungen „von schlechter Qualität“ geliefert, mal 50, mal 100, mal 200 Gramm. Zum Eigenverbrauch wie zum Weiterverkauf. Wofür er über 60.000 Euro kassiert haben soll.

Diese Geschäftsbeziehung räumt der Angeklagte, der Jura studiert hat und selbst keine Drogen nimmt, unumwunden ein. „Ein Bekannter hat mich gefragt, ob ich das übernehmen will“, sagt er. „Ich habe leider zugesagt.“

Die Gewinnspanne war verlockend: Für acht Euro pro Gramm konnte er bei seinem Bekannten, der ins Ausland gezogen war, den Stoff bestellen. Für zwölf Euro pro Gramm verkaufte er weiter an die 29-Jährige. Auch wenn diese mitunter in Zahlungsschwierigkeiten geriet und zuletzt mehrere Tausend Euro Schulden beim ihm hatte.

Wie viel ihr der Angeklagte geliefert hat, ist die einzig strittige Frage im Verfahren. Und das Gericht hat große Mühe, eine Antwort zu finden. Von mindestens 5,5 Kilogramm geht die Staatsanwaltschaft aus. Der Angeklagte kalkuliert knapper: Etwa ein Dutzend Mal, meint er, habe er seiner einzigen Kundin Heroin besorgt, dafür aber immer gleich 200 Gramm. Was insgesamt rund 2,5 Kilogramm bedeuten würde. Nach den Schilderungen der 29-Jährigen wiederum müsste es ein Vielfaches gewesen sein.

„Grob gesagt, haben wir uns einmal pro Woche getroffen“, sagt sie. Oder bei größeren Chargen auch alle zwei Wochen. Genau aber wisse sie das alles nicht mehr - „weil mir das vielleicht nicht so wichtig war“. Denn eigentlich, eröffnet sie dem Gericht, sei gar nicht sie die Abnehmerin gewesen. Sondern ihr damaliger Lebensgefährte. „Er hat das Material verbraucht und verkauft.“ Es ist das erste Mal, dass sie den Mann, von dem sie sich mittlerweile getrennt hat, bezichtigt. „Ich sehe nicht mehr ein“, sagt sie, „dass ich die ganze Schuld auf mich nehme.“

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. (jft)

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