Drogenhändler muss ins Gefängnis

Kasseler Landgericht verurteilt 35-Jährigen wegen Kokaindeals zu mehr als vier Jahren Haft

Kassel. Der Hauptbelastungszeuge riet dem Gericht, die Sache einfach zu vergessen. Er selbst wolle von den Kokaingeschäften, die auch ihn schon hinter Gitter geführt haben, nichts mehr wissen. Und die Strafkammer solle das doch bitte genauso tun. Das Kasseler Landgericht mochte der freundlichen Empfehlung jedoch nicht folgen.

Am Mittwoch verurteilte es einen 35-Jährigen, der besagten Zeugen jahrelang mit Stoff zum Weiterverkaufen versorgt haben soll, wegen Drogenhandels in 288 Fällen zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis.

Nach vier Verhandlungstagen zeigte sich das Gericht überzeugt, dass der Angeklagte zwischen 2006 und 2011 mit rund sieben Kilogramm hochwertigen Kokains gedealt hat. Geschätzter Umsatz: mehr als 250 000 Euro. Als „nicht nur hochkriminell, sondern auch professionell“ stufte Staatsanwalt Urbanek den Mann ein. Und Strafkammervorsitzender Jürgen Stanoschek befand: „Er gehörte sicher zur Gruppe der schwergewichtigen Drogenhändler.“

Eine Haftstrafe von fast zwei Jahren und acht Monaten hat der Angeklagte bereits abgesessen – weil er 2011 binnen weniger Wochen stolze 700 Gramm Kokain verkaufte. Diese Taten räumte der 35-Jährige freimütig ein. Mehr aber wollte er nicht zugeben. „Es muss eine andere Person gewesen sein, die geliefert hat“, beteuerte er am letzten Verhandlungstag, nachdem er bis dahin zu den Vorwürfen geschwiegen hatte. Und grundsätzlich ist eine solche Falschbeschuldigung bei Drogenverfahren auch nicht völlig unwahrscheinlich: Wer Strafrabatt bekommen will, muss andere Dealer anschwärzen. Und wer dann trotzdem seine Kumpels schützen will, nennt eben andere Namen. Oder lässt Kleindealer eine bedeutendere Rolle spielen, als sie sie in Wahrheit gehabt haben.

Den Angeklagten zu belasten, hatte sowohl dem Mann geholfen, der nun das Vergessen empfahl, als auch dessen Abnehmer. Doch auch wenn der Zwischenhändler und Hauptbelastungszeuge jetzt, da sein Verfahren abgeschlossen ist, partout nichts mehr über den Angeklagten sagen wollte, hatte das Gericht keinen Zweifel: Seine Beschuldigungen von einst seien die Wahrheit gewesen – zumal sie von anderen Aussagen gestützt würden.

Die Ursache für das hartnäckige Schweigen des Mannes vermutete die Strafkammer eher anderswo: Der Angeklagte und sein früherer Geschäftspartner hätten gleichzeitig im Gefängnis von Hünfeld gesessen. Und da sei genug Gelegenheit für Gespräche gewesen – oder auch für Einschüchterungsversuche. Denn die Anordnung, die Männer strikt zu trennen, habe die JVA-Leitung bedauerlicherweise ignoriert. (jft)

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