Milde Strafen – Angeklagte lieferten Informationen zu Drahtziehern

Drogenhändler packten aus

Kassel. Mit Blick darauf, dass es bei diesem Verfahren vor dem Amtsgericht um rund 150 Kilo Marihuana gegangen war, konnte man die Verhandlung aus der Perspektive der Angeklagten als eine Art vorweihnachtliche Bescherung betrachten. Denn die Strafen fielen äußerst milde aus.

Es sei dem Gericht nicht leichtgefallen, für alle vier Angeklagten Bewährungsstrafen auszusprechen, räumte dann auch Richter Klaus Döll ein. Doch die vier Männer im Alter zwischen 37 und 43 Jahren hatten umfangreiche Angaben zu den Drahtziehern eines schwunghaften Drogenhandels gemacht, und das musste sich dann ganz erheblich strafmildernd auswirken. Sie kamen mit Bewährungsstrafen zwischen zwei Jahren und sechs Monaten davon.

Wie die Spinne in einem weit verzweigten Drogennetz hatte ein inzwischen zu acht Jahren und elf Monaten verurteilter Mann gesessen, der unter dem Spitznamen „Onkel“ aufgetreten war. „Er hat uns Arbeit angeboten“, sagte einer der beiden 37-jährigen Angeklagten, der wiederum als der Hauptakteur in dem nun verurteilten Quartett anzusehen ist. Die angebotene Arbeit bestand darin, entweder selbst Drogen aus Holland und Belgien nach Deutschland zu bringen oder als Begleitfahrer zu fungieren und vor eventuellen Kontrollen zu warnen.

Um die 1500 Euro wurden als Lohn für eine solche Fahrt gezahlt, entweder bar oder in Form von Drogen, mit denen die Kuriere dann eigene Geschäfte machen konnten.

Der 37-Jährige sagte, er habe selbst Drogen konsumiert und den Kurierjob angenommen, weil er finanzielle Probleme hatte. Doch irgendwann wurde ihm klar, „dass der Onkel uns benutzt hat“. Der sei, so die späte Erkenntnis des Angeklagten, kein kleiner Fisch, sondern ein Krimineller vom Format eines Mafioso gewesen.

Informationen über die Mengen und die Preise hatten die Kuriere nie bekommen. „Wir bekamen lediglich eine Adresse, mehr nicht“, beschrieb der 37-Jährige die Praktiken. Der Wert der Drogen, die die vier Angeklagten entweder nach Kassel oder nach Berlin transportiert hatten, war erheblich: über 600 000 Euro.

Weil alle vier Männer Geständnisse abgeliefert hatten, konnte der Prozess nach wenigen Stunden und ohne Zeugen beendet werden. Doch die Angeklagten sollten nach dem Willen des Gerichts auch „zu spüren bekommen, dass sie Fehler begangen haben“, so Richter Döll.

Deshalb muss der 37-jährige Kopf der Gruppe 5000 Euro an die Drogenhilfe Nordhessen zahlen und zusätzlich 500 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Sein Cousin, der 40-jährige Angeklagte, muss 200 Stunden arbeiten. Der zweite 37-jährige Angeklagte zahlt nach dem Urteil vom Mittwoch 2000 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Mit der geringsten Bewährungsauflage kam der 43-Jährige davon, weil er lediglich Beihilfe geleistet hat, er muss 90 Stunden für einen guten Zweck arbeiten.

Von Ralf Pasch

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