56-Jähriger zu zwei Jahren Haft verurteilt

Drogenhandel mit gestrecktem Heroin

Kassel. Es war dann doch nicht alles Droge, was die Polizei als solche sicherstellte. Allerlei Bröckchen, Harze und Gemische hatten die Beamten in einer Wohnung am Rande der Kasseler Innenstadt gefunden: in einer Holzkiste, in Wandnischen und den Socken des 56-jährigen Bewohners.

Das war im März. Jetzt musste der Kasseler sich vor dem Landgericht verantworten. Das verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Anders als die Staatsanwaltschaft kam die 5. Strafkammer aber zu dem Schluss, dass dem Mann kein Handel mit Opium „in nicht geringer Menge“ nachzuweisen sei – sicher sei nur, dass er den Stoff besessen habe.

Mit Gemisch auf Kundenfang

Gehandelt habe der 56-Jährige mit Heroingemisch. Das allerdings hatte sich bei Tests in den Labors des Landeskriminalamtes (LKA) als extrem stark gestreckt erwiesen. Der Wirkstoffanteil überschritt die „geringe Menge“ nicht. Er lag bei nur zwei Prozent. Das sei ja wie wenn ein „Alkoholiker am Kölnisch Wasser mal flüchtig riecht“, kommentierte Richter Jürgen Stanoschek in der Verhandlung.

Der Verteidigungslinie, solcher Stoff lasse sich gar nicht verkaufen, folgte die Kammer dann aber nicht. Entzügige Kunden würden auch da noch zugreifen, argumentierte Stanoschek in der Urteilsbegründung - und wechselte im Sprachbild vom Trinken zum Absaufen: „Der Ertrinkende greift nach dem Strohhalm.“

Die Kammer ging davon aus, dass der Angeklagte deale, um seinen eigenen Konsum finanzieren zu können. Der 56-Jährige selbst hatte geschildert, er habe nur gelegentlich Heroin verkauft - wenn Leute mit „Affe“, also entzügig, ihn darum baten. Eigentlich habe er den Stoff für sich selbst im Hause gehabt.

Das Opium wiederum habe er erworben, um seine starken Schmerzen zu behandeln. Dann habe er entdeckt, dass die Ersatzdroge Subotex besser helfe. Jetzt erst, in der Untersuchungshaft, habe er eine medikamentöse Therapie kennengelernt, die die Schmerzen ähnlich lindere.

Die Polizei hatte die Wohnung des einschlägig vorbestraften 56-Jährigen im März auf einen Tipp hin untersucht. Neben dem Opium, dem gestreckten Heroin und etwas Cannabis hatten die Beamten damals noch mehr Substanzen sichergestellt, die sie für Heroin und Kokain hielten. LKA-Tests bestätigten das nicht.

Kaum Hoffnung auf Entzug

Im Prozess erörtert wurde eine Entzugstherapie für den 56-Jährigen. Doch die Gutachterin sah keine Erfolgschancen. Gut wäre eine Substitution mit Subutex, fand sie: „Wenn er’s denn schon nimmt – dann doch wenigstens legal.“

Von Katja Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.