Ortsvorsteherin: Problem seit Jahren bekannt

Stern in Kassel: Drogenhandel aus dem Rucksack

Brennpunkt Stern: Geschäftsleute berichten, dass hier am helllichten Tag Drogengeschäfte auf Bürgersteig und Haltestelle abgewickelt werden. Fotos:  Zgoll (3), Archiv (1)

Kassel. „Hier ist es schlimmer als im Steintorviertel in Hannover“, sagt der Gastronom, der sein Restaurant direkt am Stern betreibt. In dem Rotlichtviertel in Hannover habe er mehrere Jahre in einem Restaurant gearbeitet. Aber dort seien niemals Drogen so offen gehandelt worden wie am Stern in Kassel.

„Zu mir kommen kaum noch Familien in den Laden, weil sie sich nicht trauen“, sagt der Mann. Sein Kollege berichtet von Drogenhändlern, die jeden Nachmittag um 15.30 Uhr zur Haltestelle an den Stern kommen und die Betäubungsmittel aus dem Rucksack verkaufen.

Lesen Sie auch

Drogenhandel am Stern: Untere Königsstraße verkommt immer mehr

Im Sommer hat der türkische Unternehmerverein in den Geschäften an der Unteren Königsstraße / Kurt-Schumacher-Straße Unterschriften gesammelt und einen Brief an die Stadt geschrieben, um auf die schlimmen Zustände am Tor zur Nordstadt hinzuweisen. „Bis heute haben wir noch kein Gespräch im Rathaus gehabt“, sagt Oktay Belen, Geschäftsführer des Vereins. Der Einzige, der sich regelmäßig die Probleme der Geschäftsleute anhöre, sei Özcan Yilmaz, Migrationsbeauftragter im Polizeipräsidium Nordhessen.

Polizeisprecher Torsten Werner sagt, dass der Drogenhandel am Stern nicht zugenommen hat (siehe Artikel unten). Ramazan Karagöz, dessen Familie eine Bäckerei an der Unteren Königstraße betreibt, sieht das anders. „Es wird schlimmer. Die Polizei kommt und geht. Wir sind fast rund um die Uhr hier.“ Er berichtet von drei bis vier Leuten, die sich regelmäßig vor der Tür der Bäckerei rumdrücken, um Drogengeschäfte abzuwickeln. Manche Dealer kämen auch in den Laden. Sein Vater habe schon ein paar rausgeworfen, sagt Karagöz.

Lebensmittelhändler Yusuf Tosun, Juwelier Ibrahim Özdemir und Dirk Miehe, Verkaufsleiter bei Elektro Pitsch, berichten, dass es seit drei Wochen ruhiger geworden ist. Seitdem die Polizei bei einer Großrazzia zwei mutmaßliche Dealer am Stern festgenommen habe, seien „bestimmte Gesichter“ nicht mehr zu sehen, sagt Miehe. Er ist aber nicht zuversichtlich, dass dieser Zustand anhalte. Die Dealer kehrten nach geraumer Zeit immer wieder zurück. Seit 13 Jahren arbeitet er am Stern. Seitdem werde es immer schlimmer. „Wir benötigen hier eine permanente Präsenz von Ordnungsamt und Polizei, um das Problem mit dem Drogenhandel in den Griff zu bekommen.“

Diese Problematik stehe jedes Jahr auf der Tagesordnung des Ortsbeirats, sagt Monika Sprafke, Ortsvorsteherin der Nordstadt. Es gebe deshalb ständig Gespräche mit Ordnungsamt und Polizei. Ganz könne man das Problem wohl aber nicht in den Griff bekommen. „Jede Großstadt hat ein Viertel, wo mit Drogen gehandelt wird“, sagt Sprafke.

Die Geschäftsleute vom Stern wollen das wohl nicht einfach so hinnehmen. „Wie man die Dealer und Junkies hier wegkriegt, ist nicht unsere Sache. Da ist auch die Stadt gefragt“, sagt Belen.

Aber das Interesse der Ordnungshüter nehme offensichtlich nördlich des Sterns ab, so die Kritik des Unternehmervereins. „Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes laufen auf der Königsstraße nur bis Ende der Fußgängerzone. Am Stern drehen sie dann wieder Richtung Königsplatz um“, hat Belen beobachtet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.