Projekt Airmour

Drohnenflüge über Nordhessen: Weltweit erster regelmäßiger Einsatz für Personentransporte geplant

In zwei Jahren sollen im Rahmen des europäischen Projekts Airmour regelmäßig Drohnenflüge im medizinischen Bereich über Nordhessen getestet werden.
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In zwei Jahren sollen im Rahmen des europäischen Projekts Airmour regelmäßig Drohnenflüge im medizinischen Bereich über Nordhessen getestet werden.

Regelmäßige Drohnenflüge für Personen- und Gütertransporte im medizinischen Rettungsdienst – was nach Science-Fiction klingt, soll in spätestens zwei Jahren über Nordhessen erprobt werden.

Kassel – Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts Airmour sollen ab dem Jahr 2023 in Nordost-Hessen und drei weiteren europäischen Regionen sowohl bemannte als auch unbemannte Drohnen für den Personentransport unter realen Bedingungen getestet werden.

Neben Nordhessen sind Stavanger (Norwegen), Helsinki (Finnland) und Luxemburg in das Projekt einbezogen.

„Wir nehmen in Kassel dadurch eine Vorreiterrolle ein, da mit Airmour weltweit das erste Projekt ins Leben gerufen wurde, in dem reguläre Drohnenflüge für den Transport von Personen und Gütern durchgeführt werden“, sagte Kassels Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber kürzlich bei einer virtuellen Präsentation des innovativen Vorhabens.

Doch bis die ersten Drohnen starten, beschäftigt sich das Forschungsprojekt zunächst mit der Schaffung der nötigen Infrastruktur. Denn Passagierdrohnen im städtischen Kontext sind Neuland. Daher konzentriert sich das von der EU mit mehr als 5,6 Millionen Euro finanzierte Projekt besonders auf die Frage, wie sich insbesondere Planungs- und Luftaufsichtsbehörden auf künftige Herausforderungen vorbereiten müssen, um ein geeignetes Umfeld für solche Drohnenmobilität zu schaffen.

Für die Projektverantwortlichen liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Drohnen können Patienten, Notärzte und Equipment schneller, sicherer und emissionsärmer transportieren als konventionelle Verkehrsmittel und somit in zeitkritischen Situationen Leben retten“, erklärt Manuel Krieg, Geschäftsführer der Regionalmanagement Nordhessen GmbH. Für die Etablierung des Drohnen-Verkehrs in der Region Nordhessen benötigten Städte und Regionen gezielte Unterstützung und Expertise von verschiedenen Seiten. „Dies wollen wir mit Airmour angehen“, so Krieg.

Im Zuge des Projekts sei es zudem ein Ziel, gemeinsam mit Eurocontrol eine sogenannte Urban-Air-Mobility-Toolbox zu entwickeln, die ein Planungstool, einen Leitfaden und ein Schulungsprogramm für Städte und Regionen enthält. „Diese Tools ermöglichen es dann jeder europäischen Region, solche Drohnen-Dienste zu schaffen“, erklärte Dr. Georgi Georgiev, Senior Researcher von Robots.Expert, eine der in das Projekt einbezogenen Institutionen.

Die während des Projekts gesammelte Expertise soll Aufschluss darüber geben, welche Anforderungen an Hard- und Software gestellt werden müssen und wie Prozesse optimiert werden können. Der Einsatz im medizinischen Bereich ist dabei nur der erste Schritt. Über das Projekt soll auch die Akzeptanz für Drohnentechnologie über die Anwendung im medizinischen Bereich hinaus gesteigert werden und so Geschäftspotenziale für nordhessische Unternehmen aufgezeigt werden, erläuterte Krieg.

Zudem geht es den Projektverantwortlichen auch darum, Erfahrungen in der Verwaltung zu sammeln, etwa bei Genehmigungsprozessen. Deshalb wird das Projekt auch durch das Regierungspräsidium Kassel unterstützt.

Das Projekt ist bereits im Januar dieses Jahres gestartet und befindet sich momentan noch in der Aufbauphase. In den kommenden Monaten wollen die Beteiligten dann in die konkreten Planungen, etwa mit der Entwicklung von Testfeldern, einsteigen.

Das Airmour-Konsortium besteht aus 13 Partnern aus sechs Ländern, darunter Forschungsinstitute, Luftfahrtbehörden und Organisationen des Rettungsdienstes. Darüber hinaus wird das Projekt von der Nasa, der Dubai Future Foundation und der EASA unterstützt. Weitere Infos zum Projekt gibt es online unter airmour.eu. (Daniel Göbel)

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