Stromtrassen

Stromtrassen: Droht Schneise durch das Fulda-Tal?

Hohe Masten für Transport von Strom aus Windkraft aus dem Norden: Der Netzbetreiber Tennet wird weitere Höchstspannungstrassen (Bild) durch Nordhessen bauen. Archivfoto: nh

Kassel. Zwei neue Höchstspannungsstromtrassen könnten in sechs bis sieben Jahren auf ihrem Weg von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg Schneisen durch Nordhessen schlagen.

Das geht aus dem Netzentwicklungsplan hervor, über den die Bundesnetzagentur nun im Haus der Kirche mögliche Betroffene aus der Region und Vertreter von Bürgerinitiativen informierte. Die Trassen Brunsbüttel -Großgartach und Wilster - Grafenrheinfeld, die jeweils eine Kapazität von zwei Gigawatt haben werden, sollen den von Windkraftwerken erzeugten Gleichstrom von der Küste in den energiehungrigen Süden der Republik transportieren. Die Planung könnte noch dieses Jahr konkret werden: Er rechne damit, dass der Netzbetreiber Tennet noch vor Weihnachten einen Antrag auf Feststellung eines Trassenverlaufs stellen werde, sagte Peter Franke, stellvertretender Leiter der Netzagentur gegenüber der HNA. Wenn dieser feststeht, kann das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Mit der Errichtung der nötigen Strommasten in der Region rechne er aber kaum vor 2020, erklärte Franke gegenüber der HNA.

Peter Franke

Dabei könnten auch die Landschaft bei Kassel, an der Fulda, und die Rhön betroffen sein. Im Umweltbericht des Entwicklungsplans sind außerdem eine Reihe von Biotopen und dicht besiedelte Gebiete in Nordhessen, wie beispielsweise Kassel, benannt, die von den Trassen beeinträchtigt werden können. Dazu zählt auch der Naturpark Kellerwald-Edersee.

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Ob es wirklich so kommt, ist noch nicht ausgemacht. Es sei ein bis zu 300 Kilometer breiter Korridor im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit der Nord-Süd-Route für die Trassen untersucht worden, sagte Franke. Der genaue Verlauf werde sich erst später ergeben. Klar ist mit Blick auf die Geografie aber auch, dass der kürzeste Weg der 600 Kilometer langen Trasse Wilster -Grafenrheinfeld durch die Kasseler Region führt. Große Umwege dürfte der Netzbetreiber wegen der damit verbundenen hohen Kostensteigerungen nicht einplanen.

Die Trassen sollen unter anderem den Ausfall des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld mit der Lieferung erneuerbarer Energie ausgleichen. Grafenrheinfeld wird 2015 abgeschaltet. (pdi)

Hintergrund: Einwendungen sind noch möglich

Einwendungen gegen den Entwurf des Netzentwicklungsplans sind noch möglich. Behörden können diese während der Auslegung des Plans bis 25. Oktober geltend machen, sonstige Betroffene noch zwei Wochen länger. Dieses vorgezogene Beteiligungsverfahren soll frühzeitig klären, ob es Einwände gegen die Notwendigkeit der zusätzlichen Trassen gibt, beispielsweise, weil der Strombedarf auch durch andere Maßnahmen gedeckt werden kann. Ein solcher Einwand ist dann für das weitere Verfahren ausgeschlossen.

Info: www.netzausbau.de

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