Amtsgericht verurteilt zwei junge Männer aus Kassel wegen versuchter räuberischer Erpressung

Drohung mit Zorn der Rocker

Kassel. Wüste Drohungen haben einem 25- und einem 30-jährigen Kasseler jetzt eine Verurteilung wegen versuchter gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung eingebracht. Nach Überzeugung des Kasseler Amtsgerichts drohten die beiden einem Kumpel des Jüngeren mit dem Zorn von „Hells Angels“, um 10 000 Euro von ihm zu erhalten.

Tatsächlich, das versicherten beide Angeklagten, hat keiner von ihnen etwas mit der Rocker-Organisation zu schaffen. Es war einer der wenigen Punkte, in denen sich die ehemaligen Freunde noch einig waren.

Die fraglichen Vorfälle liegen schon über zwei Jahre zurück: Nach Auffassung des Gerichts wollten die beiden Kasseler im Herbst 2011 mit dem An- und Weiterverkauf eines Gebrauchtwagens Gewinn machen. Der 25-Jährige habe vorgeschlagen, das Ankaufkapital bei einem Kumpel aus Schulzeiten zu leihen, der offenbar nicht nur aus wohlhabendem Elternhaus stammt, sondern auch noch mit Pokern Geld verdient.

Als „etwas größeren Maulhelden“ hatte der Staatsanwalt jenen Kumpel in seinem Plädoyer charakterisiert. Der junge Mann habe viel versprochen, weniger gehalten - und wohl anfangs signalisiert, die Sache mit dem Geld kriege man hin. Gefolgt seien dann Vertröstungen.

Doch die beiden Angeklagten, so sah es das Gericht, hatten den Kauf des Autos bereits zugesagt und begannen zu drängeln. Schließlich schlugen sie nachts um vier bei ihrer vermeintlichen Geldquelle in Rothenditmold auf.

Dort seien dann die Drohungen gefallen, die der Kumpel wenige Stunden später verängstigt bei der Polizei zu Protokoll gab: Die Angeklagten hätten ihm gesagt, die 10 000 Euro würden gebraucht, um „Hells Angels“ für eine Drogenlieferung zu bezahlen. Bleibe das Geld aus, würden diese Lieferanten sich an ihn wenden - die schnitten auch schon mal Finger oder Beine ab.

Der jüngere Angeklagte bestritt im Prozess vehement, seinem Kumpel solche Drohung aufgetischt zu haben. Allein der 30-Jährige habe plötzlich damit angefangen.

SMS-Verkehr

Das Gericht sah es anders: Zwar habe der Ältere in jener Nacht den größeren Druck aufgebaut - der Jüngere aber habe diesen aufrechterhalten. Das belege der SMS-Verkehr am nächsten Tag. „Die machen pervers Druck“, wurde da zum Beispiel gesendet - vom Handy des 25-Jährigen. Er will es nicht selbst getippt haben.

Der 30-Jährige wurde - unter Einbeziehung mehrerer Vorstrafen - vom Amtsgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Gegen den 25-jährigen Angeklagten wurde eine Bewährungsstrafe von 17 Monaten verhängt.

Ihn hatte das Gericht auch schuldig gesprochen, in fünf Fällen 1,5 bis zwei Gramm Marihuana an seinen Schulkameraden verkauft zu haben. Als Bewährungsauflage soll er 3000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Von Katja Schmidt

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