Dronecert

Führerschein für Drohnen: Erste Flugschule für Multicopterpiloten in Region eröffnet

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Auch unser HNA-Fotograf ließ sich ausbilden: Fluglehrer Bernd Schmidt (links) mit Andreas Fischer.

Kassel. Drohnen haben einen rasanten Höhenflug erlebt. Mit der technischen Entwicklung sind sie zum Massenartikel geworden. Als solche sind sie nicht nur für Rettungshubschrauber, Verkehrs- und Sportflugzeuge eine Gefahr geworden.

Denn viele, die ihre Drohnen abheben lassen, wissen nicht um die Vorschriften und Gesetze, die dabei einzuhalten sind. Die Firma Dronecert aus Kassel – die erste und bislang einzige Flugschule für Drohnenpiloten in Nordhessen – will das ändern.

Firmengründer sind Michael Nuhn und Bernd Schmidt. Ende 2017 haben sie die Flugschule eröffnet, die sich vor allem an jene richtet, die Drohnen für berufliche Zwecke nutzen. Dazu zählen beispielsweise Vermessungstechniker, Industriekletterer, Feuerwehrleute, Dachdecker, Schornsteinfeger, Gutachter, Mitarbeiter aus der Film- und Fernsehbranche und auch Fotografen.

Angeboten werden theoretische und praktische Schulungen. Für die klassische eintägige Theorieschulung mit Prüfung werden 270 Euro fällig. Am Ende erhalten die Teilnehmer den Kenntnisnachweis, auch Drohnenführerschein genannt.

Beim Thema Drohnen gebe es viel Unwissen und gefährliches Halbwissen, sagt Bernd Schmidt. „Viele glauben, eine Drohne unter zwei Kilogramm befreie sie von allen Pflichten. Das stimmt aber nicht.“ Jeder, der eine Drohne gewerblich nutze, brauche in der Regel einen Kenntnisnachweis, sagt der Drohnenexperte.

„Wenn eine Drohne beispielsweise in den Heckrotor von Christoph 7 gerät, stürzt er ab“, sagt Schmidt. Wer den Luftraum in der Nähe von Flughäfen, Hubschrauberlandeplätzen, Bahntrassen oder Gefängnissen verletze, müssen mit Strafen von bis zu 50 000 Euro rechnen.

Pflicht: Eine Plakette mit den Adressdaten des Eigentümers muss auf Drohnen ab 250 Gramm angebracht werden.

Selbst beim Flug über Nachbars Garten müsse dieser zunächst einwilligen. Weil jede Drohne eine Art Blackbox habe, die deren Flugbewegungen aufzeichne, seien die Flüge nachvollziehbar. So könnten nach Unfällen die Verursacher überführt werden.

Schmidt weiß, wovon er spricht. Bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima hat er die dortigen Drohnenpiloten ausgebildet. Damals arbeitete er noch für die Firma Aibotix aus Kassel. Inzwischen ist er bei Topotwin angestellt. Die Firma im Science Park erstellt mithilfe von kamerabestückten Drohnen fotorealistische Modelle von Gebäuden und sonstiger Infrastruktur, die dann für Inspektionen und Sanierungen dienen.

Sein Kompagnon Michael Nuhn hat sich der Sportfliegerei verschrieben. Gleichzeitig ist er Geschäftsführer des Kasseler Unternehmens Aircraft Concept. Die Flugschule ist das neueste Baby der beiden Kasseler.

Weitere Informationen unter www.dronecert.de

Drohnen: Das ist vorgeschrieben

Haftpflicht

Drohnenpiloten müssen bei privater wie gewerblicher Nutzung eine spezielle Haftpflichtversicherung abschließen.

Kennzeichnung

Alle Drohnen ab 250 Gramm - dies betrifft fast alle Modelle - müssen mit einer feuerfesten Plakette gekennzeichnet werden, die Auskunft über Name und Adresse des Eigentümers gibt.

Flugkundenachweis

Ab einem Drohnengewicht von zwei Kilo benötigen die Piloten einen Flugkundenachweis (Drohnenführerschein). Die Prüfung übernehmen anerkannte Prüfungsstellen wie Dronecert. Auch unter zwei Kilo ist ein Nachweis für gewerbliche Flüge nötig. Für solche braucht es nämlich häufig eine Ausnahmegenehmigung. Die gibt es nur mit Kenntnisnachweis.

Flugverbote

Über Kraftwerken, Bahntrassen, Menschenmengen, Krankenhäusern, Gefängnissen, Flughäfen, Naturschutzgebieten, Stätten mit historischer Bedeutung (Parks etc.) und ähnlichen Einrichtungen dürfen Drohnen nicht aufsteigen bzw. braucht es einer speziellen Erlaubnis. Auch über Wohngrundstücke darf nicht geflogen werden. Drohnen dürfen maximal 100 Meter hoch fliegen. Generell dürfen sie nur in Sichtweite geflogen werden.

Von Bastian Ludwig

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