Druiden ohne Zaubertrank

Kasseler Männerorden hütet geheimes Ritual

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Ordensbrüder: Walter Diel, Joachim Kothe, Prof. Joachim Dietrich und Hartmut Fritsche (von links) gehören zum Kasseler Druiden-Orden.

Kassel. Wer an Druiden denkt, der denkt an Miraculix aus den „Asterix & Obelix“-Comics. Einen solchen Druiden, der mit der Suppenkelle den Zaubertrank rührt, gibt es beim Kasseler Druidenorden nicht.

Auch sonst spielen dort heidnische Bräuche und okkulte Praktiken keine Rolle. Die 20 Brüder der Loge verstehen sich als geistige Gemeinschaft, die sich für Gerechtigkeit, Toleranz und Humanität einsetzt. Ein geheimes Ritual gibt es dennoch.

Die Kasseler Loge „Peredur“ (Gestalt aus Artussage) des weltweit vertretenen Druidenordens wurde 1951 gegründet. Einmal die Woche (mittwochs ab 20 Uhr) kommt der Männerbund im Logenhaus an der Murhardstraße zusammen, das er sich mit den Freimaurern teilt.Mit den keltischen Druiden verbinde die Mitglieder, dass sie „Persönlichkeiten ihres Volkes sind, die sich zum geistigen Austausch treffen“, sagt Hartmut Fritsche, Vorsitzender der Kasseler Druiden. Dazu würden jede Woche Vorträge zu historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen vorbereitet - religiöse oder politische Missionierung, Sektiererei und Ähnliches seien Tabu.

Über Details zum Ablauf der Logenabende hüllen sich die Druiden in Schweigen. Es gebe ein Ritual, das „an die ethisch-moralischen Wurzeln“ erinnere. Es basiere auf Worten - ähnlich einer Liturgie - und sei in keiner Weise ehrverletzend. „Eine Gemeinschaft, die den Namen verdient, muss auch auf Vertraulichkeit achten. Und außerdem muss es für neue Mitglieder noch etwas zu entdecken geben“, erläutert Fritsche.

Heimat der Druiden: Das Logenhaus an der Murhardstraße teilt sich der Orden mit den Freimaurern.

Ein wesentliches Motiv des Ordens sei die brüderliche Hilfe. Mitglieder, die in Not geraten seien, könnten sich der Unterstützung der anderen gewiss sein - dieses Prinzip gelte schon seit der Gründung des Ordens 1781 in London. Zudem widmeten sich die Brüder der Wohltätigkeit, so habe der Orden Studenten der Kasseler Musikakademie in den vergangenen Jahren mit 40.000 Euro gefördert.

Über die Aufnahme von neuen Mitgliedern wird im Orden nach einer beidseitigen Probezeit abgestimmt. Eine Altersvorgabe gibt es zwar nicht, aber das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 60 Jahren. Vorurteile gegenüber Logen und Männerbünden seien ein Grund dafür, dass es der Gemeinschaft zuletzt am Nachwuchs gefehlt habe.

„In einer Hinsicht gehören wir Kasseler zur Avantgarde in unserem Orden“, sagt Fritsche. So gebe es inoffizielle Abende, an denen auch Frauen eingeladen seien. Zudem setze sich die Kasseler Loge im deutschen Dachverband dafür ein, dass auch Frauenlogen entstehen. „Eine Gemeinschaft, die sich der humanitären Sache verschrieben hat, kann sich nicht ernsthaft der Hälfte der Menschheit verschließen“, sagt Fritsche.

Von Bastian Ludwig

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