Kassel-Wasser hat Bachlauf renaturiert

Drusel fließt jetzt ein Stück natürlich

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Umgewöhnen: Der Weg endet im Nirgendwo. Er ist nicht mehr dazu vorgesehen, dass ihn Fußgänger benutzen.

Auf dem Gelände an der Dag-Hammarskjöld-Straße unterhalb des Bundessozialgerichts, das als Überschwemmungsgebiet bekannt ist, hat die Drusel jetzt deutlich mehr Platz bekommen. Sie wurde über eine Strecke von drei Kilometern renaturiert. 

Vorderer Westen – Und plötzlich ist der Fußweg verschwunden. Er führte in diesem Bereich, entlang der Drusel, von der Regentenstraße parallel zur Dag-Hammarskjöld-Straße. Über eine kleine Holzbrücke konnten Fußgänger und Radfahrer früher entweder auf der Heerstraße gelangen oder auf die oberhalb gelegene Dag-Hammarskjöld-Straße.

Stattdessen ist in der Senke im Uferbereich der Drusel in den vergangenen Monaten eine renaturierte mäandernde Bachlandschaft mit Inseln und Halbinseln entstanden. „Der Fußweg musste dafür weichen“, erklärte Detlef Wagner von Kassel Wasser.

Auf dem Gelände unterhalb des Gerichtsgebäudes, das als Überschwemmungsgebiet bekannt war, hat der Bach jetzt deutlich mehr Platz bekommen. Der Lauf der Drusel ist hier durch Mitarbeiter der Firma Rohde ausgebaggert und verbreitert worden. Zudem wurden die betonierte Bachsohle und die Sohlsprünge entfernt. Die künstlich befestigten Böschungen im Uferbereich sind verschwunden. Das Wasser kann sich jetzt seinen eigenen Weg suchen. Aus der Rinne, die die Drusel war, ist wieder ein Bach geworden. Die Fließgeschwindigkeit hat sich verringert.

Die Renaturierung erstreckt sich über insgesamt drei Kilometer. Sie war in mehreren Bauabschnitten vonstattengegangen: von der Regentenstraße, hinter dem Bundessozialgericht, bis zur Hugo-Preuß-Straße in Bad Wilhelmshöhe. Anfang September hatten die Arbeiten hinter dem Bundesgericht begonnen.

Ziel der Maßnahme von Kassel Wasser ist es, die natürliche Gewässerentwicklung zu fördern und gleichzeitig den Hochwasserschutz für die Anlieger zu verbessern. Das hatte Stadtbaurat Christof Nolda zu Beginn der Arbeiten erklärt. Im Jahr 2015 war es nach einen Starkregen in diesem Bereich zu erheblichen Überschwemmungen gekommen, die sogar zu Stromausfällen geführt hatten. Die Stadt Kassel habe damals kurzfristig reagiert, indem dafür gesorgt wurde, dass der Einlauf nicht mehr verstopft. Zudem wurde ein kleiner Wall zum Schutz der Gebäude aufgetürmt.

Dass die Drusel, die unter der Goetheanlage und in Wehlheiden in Rohren verläuft, komplett renaturiert wird, sei unrealistisch, so Nolda. Die Stadt sei zum Teil auf ihr gewachsen. Mit der naturnahen Umgestaltung soll das Wasser wieder natürlich laufen und es sollen bessere Bedingungen für Pflanzen und Tiere geschaffen werden. Auch die Menschen sollen, so Nolda profitieren. Er hoffe, dass „Frösche, Lurche und und Leute“ hier künftig gut miteinander auskommen.

Das Land Hessen hat die Umgestaltung mit 823 000 Euro unterstützt. Der Fördersatz habe 94 Prozent der Gesamtkosten abgedeckt. Für den Rest der Kosten kommt die Stadt Kassel auf. Auch der Ortsbeirat ist über das Ergebnis der Arbeiten erfreut: „Das ist ein Superprojekt“, sagt Vorderer-Westen-Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne). „Es ist eine wunderschöne kleine Naturoase mitten in der Stadt entstanden. Neben dem Hochwasserschutz gibt es den Supereffekt einer Renaturierung.“

Die Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen. „Sobald die Witterung es zulässt, wird noch weiter an den Grünflächen gearbeitet“, so Detlef Wagner.

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