Drusel, Losse und Ahna: Insgesamt 124 Kilometer Bäche in Kassel

+
Wieder in einem natürlichen Bachbett: Die Drusel fließt durch Wahlershausen noch oberirdisch. Hinter dem Bundessozialgericht verschwindet sie in einem Kanal.

Kassel. Wenn man jedes Rinnsal zählt, fließen laut  Kasselwasser 65 Bäche mit einer Gesamtlänge 124 Kilometer durch das Stadtgebiet. Wir geben einen Überblick.

Drusel, Losse und Ahna – diese Bäche kennt fast jeder Kasseler. Aber vom Drecksbach, dem Läusegraben oder dem Kühlen Morgen hat wohl kaum jemand gehört.

Das Kasseler Bach-Labyrinth in Gänze abzubilden, ist kaum möglich. Denn neben den 65 Bächen, die durch Kasseler Gebiet fließen, gibt es zahlreiche Zuläufe und Seitenarme. Deshalb beschränken wir uns bei dieser Übersicht auf die wesentlichen Ströme.

Zuständig für sie ist der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser. Er kümmert sich um alles, was fließt – nur nicht um die Fulda, die in der Verantwortung des Bundes ist. Die meisten Gewässer haben ihren Ursprung im Habichtswald. Ein kleinerer Teil wird aus Quellen in der Söhre und im Kaufunger Wald gespeist, andere nur aus Regenwasser. „Das sammelt sich alles im Kasseler Becken und fließt in die Fulda“, sagt Detlef Wagner von Kasselwasser.

Dass Kassel eine Stadt der 1000 Bäche ist, lässt sich beim Flanieren durch die Stadt nicht erahnen. Das liegt daran, dass die Bäche vor allem im Innenstadtbereich meist in Rohren und Gewölben geführt werden. 30 Kilometer des 124 Kilometer langen Bäche-Netzes liegen unter der Erde. Der längste Bach, die Drusel, ist im Innenstadtbereich nur an der Schönfelder Straße auf einem kurzen Stück sichtbar. „Die Bäche wurden der Bebauung der Stadt angepasst“, sagt Wagner.

Dass die Bäche für die Bedürfnisse der Kasseler verlegt wurden, ist bereits für das 14. Jahrhundert belegt. Damals wurden gemauerte Sandsteinkanäle von der Drusel bis in die Innenstadt gebaut. Über diese Kanäle wurde die Wasserversorgung in der Innenstadt sichergestellt. „Aus dieser Zeit hat der Druselturm seinen Namen“, sagt Wagner. Dort gab es damals eine Entnahmestelle. Die Leitungen sind bis heute in Fragmenten erhalten und tauchen bei Tiefbauarbeiten immer mal wieder auf.

Andere Bäche sind völlig verschwunden: Dazu zählt etwa der Heimbach, der früher im Bereich der Kohlenstraße sein Bett hatte. Das Gewässer ist nach der Bebauung des Areals verschwunden. Einen Hinweis darauf gibt nur noch die Straße Am Heimbach. Ähnlich wie beim Zusammenfluss von Werra und Fulda büßen auch Bäche bei ihrer Vereinigung ihre Namen ein. So entsteht aus dem Angers- und Döllbach der Mombach.

Andere ändern an den Stadtteilgrenzen ihren Namen: So heißt der Geilebach ab seinem Übergang von Harleshausen nach Rothenditmold Döllbach. Auf die häufig für Irritationen sorgende Frage, ob es nun Ahna oder Ahne heißt, hat Wagner von Kasselwasser eine klare Antwort: „In Kassel heißt es Ahna, in Vellmar sagen sie Ahne.“ Die seit einigen Jahren laufenden Renaturierungen der Kasseler Bäche dienen auch dazu, sie den Bewohnern stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Anekdoten zur Herkunft der Bach-Namen

• Die Losse soll ihren Namen einer Sitzung von Vertretern der Anliegergemeinden zu verdanken haben. Als diese sich nach endlosen Debatten über einen einheitlichen Namen für den Bach nicht einigen konnten, soll der Vorsitzende gesagt haben, der nächste Vorschlag werde genommen. Dann sei einer der Vertreter aufgestanden und habe gesagt: „Losse mer se heißen, wie se will, ich gehe jetzt heim.“

• Zur Herkunft des Namens Prinzenquelle (Kirchditmold) gibt es drei Erklärungen: Eine lautet, der Name erkläre sich durch die Lage am Rande des Areals des ehemaligen Meierhofes zu Weißenstein/ Wilhelmshöhe. Die kurfürstlichen Prinzen des Hauses Hessen-Kassel hätten früher bei Ausritten an der Quelle gehalten, um die Pferde zu tränken. Die zweite Erklärung lautet, der Name resultiere aus der Funktion der Quelle als Wasserzufuhr des Prinzenpalais Bellevue an der Schönen Aussicht. Die dritte sieht die Ursprünge in der französischen Besatzungszeit unter Napoleon. Kinder des Hofstaates, dem Stande nach Prinzen, hätten an der Quelle gespielt.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.