Kfz-Geschäfte in Niestetal werden auf Internet-Börse als Privatverkauf etikettiert – Kein Einzelfall

Dubioser Autohandel im Netz

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Fragwürdige Geschäfte: Auf einem Parkplatz in Niestetal sind mehrere abgemeldete Fahrzeuge nebeneinander abgestellt. Sie werden im Internet als Privatverkauf angeboten.

Niestetal. Die Masche ist beim Finanzamt bekannt: Autos werden auf Internet-Börsen als Privatverkauf deklariert, obwohl sich dahinter ein nicht angemeldeter, gewerblicher Handel verbirgt. So begehen die Betroffenen nicht nur Steuerhinterziehung, sondern führen auch potenzielle Kunden hinters Licht.

Zu Letzteren gehört Jürgen Schulz (Name geändert), der für ein vermeintlich gutes Angebot eines Busses auf der Plattform Mobile.de 300 Kilometer von seiner nordrhein-westfälischen Heimat nach Niestetal fuhr.

Dort angekommen, dämmerte ihm, dass er den Weg vergeblich zurückgelegt hatte. Der vereinbarte Treffpunkt war kein Privathaus, sondern ein Parkplatz, auf dem fünf bis sechs abgemeldete Fahrzeuge nebeneinander standen. „Der Verkäufer fuhr mit einem BMW vor. Auf seinem Beifahrersitz lag ein Stapel Fahrzeugbriefe“, erzählt Schulz.

Bei der Besichtigung des Busses entpuppte sich das scheinbare Schnäppchen als stark reparaturbedürftig. Gefrustet und ohne zu kaufen fuhr Schulz wieder zurück: „Wenn ich vorher gewusst hätte, dass ein solcher Händler dahintersteckt, hätte mich das Angebot nicht interessiert.“

Um die illegale Geschäftemacherei zu unterbinden, erlaubt Mobile.de für Privatanbieter maximal zwei Inserate im Monat. Wer mehr ins Internet stellt, wird von der Internet-Plattform als Händler eingestuft und muss Gebühren zahlen. Um Gebühren sowie Steuern zu umgehen, nutzt der Verkäufer aus Niestetal offenbar mehrere Nutzerkonten und unterschiedliche Prepaid-Handynummern, die einfach gewechselt werden können.

Als sich die HNA verdeckt nach einem der fragwürdigen Inserate erkundigt, wird bestätigt, dass mehrere Fahrzeuge angeboten werden. Diese gehörten alle „Kumpels“ des Angerufenen. Er könne sie uns aber gern vorführen. Nach Auskunft der Oberfinanzdirektion Frankfurt, die für das Kasseler Finanzamt Stellung nimmt, ist dies kein Einzelfall. Das Phänomen sei im Internet verbreitet, die Steuerfahndung gehe Hinweisen zu Steuerstraftaten nach.

Einen solchen Hinweis hatte Schulz den Kasseler Steuerfahndern zum Niestetaler Fall gegeben. Zu den konkreten Ermittlungen wollte sich Monika Stasch, Sprecherin der Oberfinanzdirektion, nicht äußern. Nur so viel: „Oft ist eine Identifikation nur über aufwendige Ermittlungen und den Abgleich verschiedener Portale möglich.“

Für Henning Klawiter von der Initiative „Sicherer Autokauf im Internet“ geschieht das Verschleiern eines gewerblichen Handels aus mehreren Motivationen: Zum einen versuchten Anbieter auf diese Weise, Gebühren- sowie Steuerzahlungen zu umgehen. Zum anderen müssen sie als Privatperson keine Garantien geben: Es wird gekauft wie gesehen. Händler sind verpflichtet, beim Verkauf eines Gebrauchtwagens mindestens ein Jahr für Mängel des Fahrzeuges einzustehen.

Von Bastian Ludwig

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