Branchenkreise: Preis zu niedrig

Kanadischer Düngemittel-Konzern bestätigt Plan der K+S-Übernahme

Kassel. Der kanadische Düngemittelhersteller Potash habe einen vertraulichen Vorschlag über Übernahmeverhandlungen gemacht, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Potash bestätigte damit die geplante Übernahme des deutschen Rivalen K+S. Es sei aber noch unklar, ob es ein Übernahmeangebot geben werde oder zu welchen Bedingungen.

Der Kasseler DAX-Konzern K+S hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass das Unternehmen Ziel eines Übernahmeangebots des kanadischen Düngemittelherstellers Potash ist. Das erklärte das Unternehmen in einer sogenannten Ad-hoc-Meldung.

Demnach informierten die Kanadier Vorstand und Aufsichtsrat von K+S, den Aktionären unter bestimmten Bedingungen den Kauf aller Aktien im Wege eines freiwilligen öffentlichen Übernahme-Angebots anbieten zu wollen. Zu diesen Bedingungen gehörte auch eine so genannte Due-Dilligence-Prüfung, bei der ein genauer Blick in die Bücher des Übernahmekandidaten genommen wird. Wie K+S weiter mitteilte, prüfe man die zur Verfügung stehenden Optionen, der Ausgang der Prüfung sei offen.

Aktualisiert am 26. Juni um 9.30 Uhr

Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen zufolge ist das Angebot des K+S-Konkurrenten lange vorbereitet. Wie auch die Agentur Bloomberg meldete, könne sich der Preis für die K+S-Aktien bei sieben Milliarden Euro bewegen, was einem Wert von etwa 40 Euro pro Aktie entspreche - deutlich höher als der gestrige K+S-Kurs. Die 191,4 Millionen Aktien von K+S waren gestern Nachmittag 5,7 Milliarden Euro wert.

Im späten Handel an der Frankfurter Börse legte die Aktie des Kasseler Dax-Konzerns deutlich zu. Sie schloss bei 32,30 Euro, ein Plus von 12,82 Prozent. Im nachbörslichen Handel bei dem Finanzdienstleister Lang & Schwarz kletterte die K+S-Aktie auf über 34 Euro.

Laut Handelsblatt-Informationen habe Potash deutlich gemacht, dass das Übernahme-Angebot freundlich gemeint sei. Man schließe aber auch eine feindliche Übernahme nicht aus, also ein Übernahmeangebot von Potash direkt an die K+S-Aktionäre ohne vorherige Einwilligung des Unternehmens.

Nach Informationen aus Branchenkreisen dürfte K+S das Angebot wohl ablehnen. Die Kanadier hätten zwar mehr als 40 Euro je Aktie geboten, hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg zuvor unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet. K+S halte den Preis aber unter anderem angesichts der eigenen Wachstumsperspektiven für zu niedrig. Weder Potash noch K+S wollten sich weiter äußern.

Übernahme nicht einfach

Eine Übernahme von K+S wäre indessen nicht ganz einfach. Denn Potash müsste sich mühsam eine Aktienmehrheit zusammenkaufen, weil es neben dem US-Investor Blackrock, der 4,38 Prozent der Aktien hält, keinen größeren Aktionär gibt. Gut 95 Prozent des Kapitals befindet sich also im Streubesitz in den USA (21 Prozent), Deutschland (18) Großbritannien (15), Schweiz und Luxemburg (zusammen 15) sowie in anderen Ländern.

Potash ist mit einem Marktanteil von 14 Prozent nach der russischen Uralkali der weltweit zweitgrößte Kali-Förderer und der weltweit größte Produzent von landwirtschaftlichen Düngern. Der ursprünglich staatliche Konzern wurde 1989 privatisiert und hat seither expandiert. Vor fünf Jahren hat die Potash Corporation die feindliche Übernahme des australisch-britischen Bergbaukonzerns BHP Bilton abgewehrt.

K+S ist beim Kali die globale Nummer fünf und in Westeuropa Branchenprimus. Beim Salz sind die Kasseler die weltweit unangefochtene Nummer eins. K+S beschäftigt weltweit 14300 Mitarbeiter, davon fast 6000 in Nord- und Osthessen sowie in Westthüringen. 2014 setzte der einzige nordhessische Dax-Konzern 3,82 Milliarden Euro um und verdiente unterm Strich 366 Mio. Euro. Es gilt als kerngesund und bergbautechnisch als Technologieführer. Derzeit erschließt K+S ein neues Bergwerk in Kanada, das in einem Jahr in Betrieb gehen soll. Auch dieser Umstand macht das Unternehmen für PCS interessant.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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