Einer Winterdepression lässt sich mit Bewegung und Lichttherapie vorbeugen - Appetit nimmt häufig zu

Dunkle Zeit trübt die Stimmung

MartinOhlmeier

Ich fühle mich abgeschlagen und müde - und das meistens schon am Morgen. Außerdem schlafe ich schlecht und habe das Gefühl, nicht abschalten zu können. Kann es sein, dass ich unter einer Winterdepression leide?“, fragt eine Leserin aus Kassel.

Antworten hat der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Martin Ohlmeier, Direktor des Kasseler Ludwig-Noll-Krankenhauses, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums Kassel:

„Treten diese Symptome vor allem in der Herbst- und Winterzeit auf, können sie Anzeichen für eine sogenannte Winterdepression sein“, sagt Ohlmeier. Die Winterdepression wird auch als saisonale Depression bezeichnet und ist dem Facharzt zufolge eine klar definierte Erkrankung.

Besondere Merkmale einer Winterdepression sind neben einem erhöhten Schlafbedürfnis eine Appetit-Steigerung und eine damit verbundene Gewichtszunahme. Hinzu kommen - meist milderer ausgeprägt - die auch für andere Formen der Depression typischen Symptome wie Antriebsstörungen, das Unvermögen, Freude zu empfinden, und Stimmungsschwankungen.

Stimmung schwankt

„Die Betroffenen haben morgens oft ein sogenanntes Stimmungstief, abends ein Stimmungshoch“, sagt Ohlmeier. Als Ursache der Erkrankung vermute man eine Veränderung des Melatonin-Spiegels im Gehirn. Dieses Hormon wird bei Lichtmangel vermehrt gebildet. „Die verstärkte Melatonin-Bildung wiederum sorgt für eine verringerte Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin, der in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung von Depressionen steht“, erläutert der Facharzt.

Die Symptome einer Winterdepression lassen sich laut Ohlmeier mit einer Lichttherapie mit speziellen Tageslicht-Lampen verbessern. „Das Licht mit einer Intensität von mindestens 2500 Lux lässt man am besten morgens 30 bis 60 Minuten auf sich wirken“, sagt er. Das Licht gelangt über die Netzhaut und die Sehbahn zu den Zellen, die das Melatonin bilden.

Tägliche Spaziergänge

Eine Winterdepression ist dem Psychiater zufolge eine relativ häufige Erkrankung, der man aber gut vorbeugen kann.

Wer um das Risiko einer Winterdepression weiß, sollte in Herbst und Winter regelmäßig Sport treiben. Ohlmeier empfiehlt zum Beispiel tägliche, 30 bis 60 Minuten lange Spaziergänge. Auch könne man bereits im Sommer beispielsweise ein Abonnement im Fitness-Studio buchen. „Bewegung hat generell einen antidepressiven Effekt“, sagt Ohlmeier. Auch ein Last-Minute-Urlaub in sonnigen Gefilden in der dunklen Jahreszeit sei durchaus wirkungsvoll.

Psychotherapie

Je nach Ausprägung der Symptome kann auch eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein, nämlich dann, wenn beispielsweise die Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt und die Erkrankung in regelmäßigen Abständen auftritt. Nur bei sehr ausgeprägten Symptomen sollte Ohlmeier zufolge bei dieser Form der Depression eine ergänzende Behandlung mit Medikamenten erwogen werden. „Dabei kommen neben Johanniskraut insbesondere Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer in Betracht“, sagt er. (mkx) Hintergrund

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