Einzelhandel

Durch diesen Kasseler Laden kann man trotz Lockdown bummeln

Digitalisierte Ladenräume des Haushaltswarengeschäfts Hornschu in Kassel für Einkäufe im Corona-Lockdown
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Digitaler Zwilling: Per Mausklick am Computer kann man sich durch alle Etagen des Geschäfts bewegen und die Artikel in den Regalen näher betrachten. Beraten und verkauft wird dann in der Regel per Telefon.

Die Kasseler Haushaltswarenfirma Hornschu hat ihr geschlossenes Geschäft virtuell begehbar gemacht – mit einem digitalen Zwilling im Netz.

Kassel – Immer noch sind wegen Corona die meisten Einzelhandelsgeschäfte geschlossen. Zwar behelfen sich viele Inhaber in dieser schweren Zeit mit Lieferdiensten und Abhol-Angeboten, doch die Inspiration für Spontankäufe beim Bummel durch die Läden fehlt. Das Haushaltswarengeschäft Hornschu an der Obersten Gasse hat jetzt eine unkonventionelle Lösung für dieses Problem gefunden und einen virtuellen Zwilling des 800 Quadratmeter großen Ladens ins Netz gestellt.

Damit können Kunden jederzeit im Angebot von Tausenden Artikeln stöbern und sich per Mausklick durch alle drei Geschosse des Ladens bewegen, als wären sie persönlich vor Ort. Zoomt man dicht an ein Regal heran und hat etwas Interessantes entdeckt, kann man zu den üblichen Geschäftszeiten bei Hornschu anrufen, sich beraten lassen und über Preise informieren. Auch per E-Mail oder soziale Medien ist das möglich. Einkäufe kann man anschließend an der Ladentür abholen oder sich nach Hause liefern lassen.

Hornschu in Kassel: Mit Virtual Reality während des Lockdowns bummeln gehen

„Unsere Kunden finden das super“, sagt Inhaberin Korinna Hornschu über die Erfahrungen der ersten Tage. Die Digitalisierung der Ladenräume sei von einer befreundeten Firma umgesetzt worden, die in Mittelfranken ebenfalls mit Haushaltswaren handele und kürzlich einen Virtual-Reality-Ableger gegründet habe. Die nötige Technik sei aus der Architektur geläufig und werde hier auf die Erfordernisse des Einzelhandels angepasst.

Obgleich technisch anspruchsvoll, sei die Umsetzung völlig unkompliziert gewesen, sagt Korinna Hornschu. Neu geordnet und aufgeräumt habe man das Warenangebot in der Schließungszeit ohnehin, vor drei Wochen seien dann Mitarbeiter der Firma Twenty2Eleven mit ihrer Aufnahmetechnik angerückt. Die verfügt nach Angaben des jungen Unternehmens über sechs Einzelkameras, die beim Rundgang die Sicht nach allen Seiten erfassen und mit Infrarot-Tiefensensoren alle Bilder zum digitalen Laden-Zwilling kombinieren. „Das funktioniert wie bei den Google-Earth-Autos, die die Städte abfahren“, erläutert die Inhaberin.

Kassel: Ein virtueller Lockdown-Bummel ist bei Hornschu möglich

Binnen eines Arbeitstages sei alles erledigt gewesen, bereits tags darauf hätten die Auftraggeber Zugriff auf das virtuelle Geschäft gehabt. Für sie sei es dann nur noch die Aufgabe gewesen, diverse anklickbare Info-Punkte an den Regalen mit Text zu hinterlegen. Die Kosten variieren laut Twenty2Eleven je nach Ladengröße, für ein kleineres Geschäft bis etwa 300 Quadratmeter bleibt man noch im dreistelligen Bereich.

Der Link zum virtuellen Laden ist hier zu finden. Die Lösung sei für das Haushaltswarengeschäft nicht nur in Corona-Zeiten ideal, sagt Korinna Hornschu: „Wir sind im Grunde ein stationärer Laden. Zwar haben wir auch einen Online-Shop, der ist aber eigentlich nur ein Schaufenster und enthält nur einen kleinen Bruchteil unseres gesamten Angebots.“

Mit der neuen Technik könnten nun sogar Einkaufsmuffel angesprochen werden – etwa Ehemänner, die vom Sofa aus ihre Meinung zur Farbe eines neuen Porzellanservices sagen können, ohne die Gattin ins Geschäft begleiten zu müssen. (Axel Schwarz)

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