Haus & Grund-Präsident: Energetische Sanierung rechnet sich wirtschaftlich nicht

Durch Klimaschutz steigt Miete

Kassel. „Die energetische Sanierung von Wohnraum rechnet sich wirtschaftlich nicht.“ Das sagte am Dienstag Rolf Kornemann, Präsident der Eigentümer-Schutz-Gemeinschaft Haus & Grund, anlässlich eines Besuchs bei der Kasseler Ortsgruppe.

Haus & Grund unterstütze zwar nachhaltig die Forderung aller Parteien, dass Wohnraum energetisch saniert werde, um Energie einzusparen. Gleichzeitig dürfe man aber nicht die Augen davor verschließen, dass dieser Beitrag zum Klimaschutz Geld koste. „Da haben sich alle viel zu lange etwas in die Tasche gelogen“, sagte Kornemann. Haus & Grund sei froh, dass das Bundeskabinett im Mai das Mietrecht geändert habe.

Für Vermieter, die jetzt energetisch sanieren, sei das Verfahren einfacher geworden, die Miete um elf Prozent der entstandenen Kosten zu erhöhen. Zudem dürften Mieter - zumindest drei Monate lang - den Mietzins nicht mindern, wenn ihre Wohnung energetisch saniert werde. „Wir halten das für absolut gerecht. Schließlich macht das der Eigentümer in erster Linie für den Mieter.“ Nichtsdestotrotz rate Haus & Grund jedem Eigentümer, eine energetische Sanierung nur im Zuge einer Sanierung vorzunehmen, die ohnehin gemacht werden müsse.

Wolfram Kieselbach, Vorsitzender von Haus & Grund Kassel, geht nicht davon aus, dass in der Stadt eine Mietsteigerung von elf Prozent nach einer energetischen Sanierung durchzusetzen ist. Er macht das an einem einfachen Rechenbeispiel deutlich: Investiere ein Eigentümer 30 000 Euro in die energetische Sanierung, könne er theoretisch elf Prozent der Kosten auf die Miete aufschlagen. Das sind in einem Jahr 3300 Euro, pro Monat könnte die Miete demnach um 275 Euro erhöht werden.

„Das ist in Kassel nicht durchsetzbar.“ Denn der Mieter werde in diesem Umfang keine Betriebskosten einsparen können. Kieselbach regt an, diese Mehrkosten auf mehrere Schultern zu verteilen: Ein Drittel könnte der Eigentümer, ein Drittel der Mieter und das restliche Drittel durch öffentliche Zuschüsse getragen werden. Er räumt allerdings ein, dass man bei der gesamten Kostendiskussion nicht vergessen dürfe, dass die Energiekosten weiterhin stiegen. Langfristig rentiere sich deshalb eine energetische Sanierung wohl doch, sagt Kieselbach.

Was ist mit Hartz-IV-Empfängern, deren Wohnung energetisch saniert wird?, fragt Kornemann. Wie stehen die Kommunen zu den Mieterhöhungen? Das seien Fragen, über die offen diskutiert werden müsse. Besonders in einer Stadt wie Kassel, in der immer noch viele Hartz-IV-Empfänger lebten, sei dieses Thema von Belang.

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