Kräuter-Drogen

Nach Todesfall in Kassel: LKA warnt vor Gefahr durch "Legal Highs"

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Polizei warnt vor „Legal Highs“: Auf dem Foto sind mit Drogen versetzte Kräutermischung zu sehen.

Kassel/Wiesbaden. Viele Nutzer der vermeintlich legalen "Legal Highs" denken, diese seien nicht gefährlich. Beim Landeskriminalamt in Wiesbaden sieht man das aber ganz anders.

Diesem gefährlichen Irrtum seien kurz vor Weihnachten mehrere hessische Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren aufgesessen, heißt es in einer Presseerklärung des LKA. In einer Pause bot ein Schüler anderen an, mal an seiner mit „Legal Highs“ befüllten E-Zigarette zu ziehen. Zwei Schülerinnen hätten bereits nach zwei Zügen das Bewusstsein verloren, bei einer anderen verschlechterte sich der Zustand im darauffolgenden Unterricht. Sie wurden anschließend mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

2016 gab es in Hessen zwei Todesfälle im Zusammenhang mit sogenannten „Legal Highs“. Anfang März starb ein 34-jähriger Mann in Kassel, Ende April ein 26-Jähriger in Gelnhausen nach dem Konsum von „Legal Highs“. Die jeweiligen toxikologischen Gutachten ergaben, dass die Verstorbenen „Legal Highs“ konsumiert hatten und diese in einem Fall allein für den Tod verantwortlich waren, im anderen Fall zumindest teilweise.

Räuchermischung mit Cannabis

Nach Angaben von Kassels Polizeisprecher Torsten Werner hatte die Lebensgefährtin des 34-Jährigen berichtet, dass der Mann innerhalb der letzten zwei Jahre vor seinem Tod regelmäßig „Mex“ (Räuchermischung mit Cannabis) konsumiert hatte.

Über diesen Fall sei die Kasseler Polizei informiert worden, ansonsten bekomme die Polizei nur wenige Hinweise, weil „Legal Highs“ legal konsumiert werden könnten. „Wir wissen nur, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt“, sagt Werner. Die seltenen Hinweise, die es manchmal auch aus Kliniken gebe, würden dafür sprechen, dass es sich bei den Konsumenten vornehmlich um Jugendliche und Heranwachsende handele.

Begriff nicht mehr zutreffend

Der Polizeisprecher macht allerdings darauf aufmerksam, dass der Begriff „Legal Highs“ mittlerweile für viele der Produkte nicht mehr zutreffend sei. Seit November 2016 gibt es das neue Psychoaktive-Substanzen-Gesetz. Das regelt, dass sowohl der Handel als auch der Besitz bestimmter „neuer“ psychoaktiver Substanzen verboten sind, die nicht mehr explizit im Betäubungsmittelgesetz aufgelistet werden müssen, wie es früher war. Dadurch sei der Markt an „Legal Highs“ deutlich verringert worden, so Werner.

Die Polizei warnt aber nach wie vor davor, die nun übrig gebliebenen „Legal Highs“ zu konsumieren. „Es gibt keinen gefahrlosen Gebrauch“, sagte Werner. Es sei ja auch nicht verboten, Kleber oder Benzin zu schnüffeln. Nichtsdestotrotz sei das gesundheitsgefährdend.

Hintergrund des LKA: Legal Highs

Was macht Legal Highs so gefährlich?

„Legal Highs“ werden als so genannte Kräutermischungen oder in flüssiger Form angeboten und von den Konsumenten geraucht. Eine Dosierung ist sehr schwierig, da die Substanz in den verkauften Produkten in unterschiedlichen Formen und Konzentrationen auftritt. Eine Überdosierung ist deshalb nie auszuschließen.

Wie wirken „Legal Highs“?

Die erste wahrnehmbare Wirkung kann bereits ca. 30 Sekunden nach der Inhalation auftreten. Der volle Rausch entfaltet sich nach ca. 20 Minuten und dauert etwa eine halbe Stunde. Eine Überdosierung führt zu Brustschmerzen, unregelmäßigem Herzschlag, Atemlosigkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Unruhe, akustischen und visuellen Halluzinationen, Paranoia und psychischen Zusammenbrüchen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Wie kann ich mich schützen?

Der einzige effektive Schutz besteht im Verzicht auf „Legal Highs“. Die beiden Todesfälle des vergangenen Jahres sowie die schwer verletzten Schüler unterstreichen diese Warnung.

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