So verwerten die Stadtreiniger den Müll wieder – Zahl der Anlieferungen nimmt zu

Durchblick beim Recycling

Entsorgen mit Durchblick: Andreas Prengel ist Stadtreiniger-Mitarbeiter auf dem Recyclinghof in der Königinhofstraße. Er steht vor dem Container, in dem Altreifen entsorgt werden können. Fotos: Ludwig

Kassel. Eines der großen Ziele des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ist es, die Recyclingquote beim Hausmüll zu erhöhen. Nach derzeitigen Plänen sollen 65 Prozent des Abfalls wiederverwertet werden. In Kassel wird diese Quote zwar schon erreicht, die Stadtreiniger wollen sie aber weiter erhöhen.

Mit den beiden Recyclinghöfen im Stadtgebiet haben die Stadtreiniger bereits eine Infrastruktur dafür, die von immer mehr Kasselern genutzt wird.

Vergangenes Jahr sind die Anlieferungen von Privatpersonen auf über 100 000 gestiegen, was einem Anstieg um 15 Prozent zum Vorjahr entspricht. Statistisch hat damit jeder Kasseler Haushalt mindestens einmal Abfall auf einem der Recyclinghöfe abgegeben.

Ein Grund für die steigenden Anlieferungen sind auch die 2010 von den Stadtreinigern eingeführten Transportpauschalen. Seitdem muss für die Abfuhr von Sperrmüll, Elektroschrott und Gartenabfällen bezahlt werden. Die Abgabe bei den Recyclinghöfen ist - mit wenigen Ausnahmen - kostenlos. Für eine Zunahme an Wildablagerungen habe die erhobene Pauschale nicht gesorgt, sagt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger.

Auf den Recyclinghöfen in der Königinhofstraße und der Dittershäuser Straße stehen für fast jede Abfallart Tonnen beziehungsweise Container bereit: Die Palette reicht von Styropor, Kork, Bauschutt und Batterien über Handys, Monitore, Sperrmüll und Reifen.

Welchen weiteren Weg der Abfall von den Recyclinghöfen aus nimmt, ist unterschiedlich: Ein Holztisch mit Metallgestell beispielsweise wird zunächst demontiert. Das Metall geht in die Schrottverwertung, und die Holzplatte landet im Heizkraftwerk Mittelfeld in der Nordstadt.

Zusammenarbeit

Beim Elektroschrott arbeiten die Stadtreiniger mit gemeinnützigen Organisationen zusammen. Ein Teil geht an die Kasseler Buntstift GmbH, wo etliche Geräte wieder instand gesetzt werden. Unterhaltungselektronik wird von behinderten Menschen in den Werkstätten der Baunataler Diakonie Kassel demontiert. Wertstoffe können so gesichert und wieder verkauft werden. Und alte Autoreifen kommen als Energieträger für Anlagen in der Zementindustrie zum Einsatz.

Unterschieden wird bei der Verwertung zwischen echtem Recycling, bei dem ein Wertstoff - etwa in einem neuen Produkt - wieder zum Einsatz kommt, und energetischer Verwertung, für die der Abfall verbrannt wird.

Problem für Kraftwerk

Weil insbesondere die Recyclingquote mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz erhöht werden soll, ergibt sich für die Kasseler Müllentsorgung eine Zwickmühle. Wenn weniger Restmüll übrig bleibe, der im Müllheizkraftwerk Am Lossewerk verbrannt werden kann, sei die Anlage nicht ausgelastet, sagt Stefan Stremme, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft bei den Stadtreinigern. Dann müssten weitere Großbetriebe gefunden werden, die ihren Gewerbemüll anliefern. Da der Markt umkämpft sei und Betriebe ihren Müll deutschlandweit entsorgen dürften, sei dies nicht leicht.

Im nächsten Teil unserer Serie geht es um die Folgen des neuen Gesetzes für das Kasseler Müllheizkraftwerk.

Von Bastian Ludwig

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