Wieder in kommunaler Hand

Eon Mitte bald wieder in kommunaler Hand

Kassel. Der Energieversorger Eon Mitte geht zurück an seine früheren Eigentümer: Die Landkreise in Hessen und Südniedersachsen sowie die Stadt Göttingen sind sich mit dem Düsseldorfer Energiekonzern Eon über den kompletten Rückkauf der Tochtergesellschaft einig.

Nach Angaben von Robert Fischbach, Landrat im Kreis Marburg-Biedenkopf und kommunaler Verhandlungsführer, wurde der Durchbruch in dieser Woche erzielt. Die Eckpunkte für eine Grundsatzvereinbarung seien klar, „aber es ist noch viel zu tun“, sagt Fischbach.

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Angestrebt wird, die Übernahme für rund 700 Millionen Euro bis zum Jahresende unter Dach und Fach zu haben. Dazu sind Beschlüsse der Kreistage nötig. Die kommunalen Anteilseigner, die bisher 26,7 Prozent an Eon Mitte halten, hätten auch gern den Vertrieb mit 600.000 Kunden zwischen Northeim und Wetzlar, Frankenberg und dem thüringischen Berka übernommen.

Doch daraus wird nichts - sie kaufen vor allem das Leitungsnetz von Eon Mitte und verdienen daran, dass andere Unternehmen Strom und Gas zu den Kunden leiten. Der Vertrieb bleibt bei Eon.

Das künftig wieder kommunale Unternehmen, wie es früher die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM) war, wird sich also gegen die Eon-Konkurrenz beim Strom- und Gasverkauf behaupten müssen.

Aktualisiert um 21.10 Uhr.

„Wir werden einen eigenen Vertrieb aufbauen und mit einer eigenen Marke an den Markt gehen“, erklärt Fischbach - jedoch nur für Strom. Unterstützung soll es dabei von einem Stadtwerke-Konsortium geben, an dessen Gründung gearbeitet wird.

Die Stadtwerke in der Region sollen mit ins Boot, damit sich nicht kommunale Unternehmen gegenseitig Konkurrenz machen. Die 1300 Mitarbeiter von Eon Mitte hoffen, dass die Arbeitsplätze im kommunalen Unternehmen sicherer sind als im Eon-Konzern, der Personal abbauen will. (ach)

Hintergrund

Kreistage müssen zustimmen

Damit Eon Mitte übernommen werden kann, müssen die Kreistage aller Landkreise zustimmen. Der Kasseler Kreistag wird sich wahrscheinlich im November und Dezember mit dem umfangreichen Vertrag beschäftigen. Es spreche vieles dafür, dass noch dieses Jahr eine Entscheidung falle, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn.

Der Kreis Kassel ist mit 3,3 Prozent an Eon Mitte beteiligt. Landrat Uwe Schmidt (SPD), der dem Verhandlungsausschuss angehört, wollte sich nicht zu dem Ergebnis äußern.

Offen bleibt, wie die Landkreise den Kaufpreis aufbringen und welche Rolle die Tatsache spielt, dass der Landkreis den kommunalen Schutzschirm des Landes in Anspruch nimmt. (ket)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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