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Ausstellung: „Bilder unserer verlorenen Stadt“ im Rathaus

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Bewegt von den Bildern: Die Kasselerin Ilse Meimbressen (84) kennt das alte Kassel noch aus eigener Anschauung.

Kassel. Im Kasseler Rathaus können die Besucher ab Montag mit ihren Augen durch das alte Kassel spazieren. Die Sonntag eröffnete Gesamtschau der Fotoausstellung „Bilder unserer verlorenen Stadt“ ist der Höhepunkt des seit zwei Jahren laufenden Projektes.

Zu sehen sind alle sieben bislang gezeigten Stadtspaziergänge, bei denen die Besucher an Schauplätze zurückgeführt werden, wie sie vor der Bombennacht vor 70 Jahren zu erleben waren. Bei der Eröffnung der Ausstellung, die bis zum 20. Dezember läuft, war die Resonanz groß. Über 400 Gäste waren ins Rathaus gekommen. Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) sprach von einer Ausstellung, wie es „sie in dieser Art noch nicht gegeben hat.“ Er dankte dem Verein der Freunde des Stadtmuseums, der gemeinsam mit der Kasseler Sparkasse und der HNA das Projekt realisiert hatte. Seit 2011 waren die Foto-Spaziergänge im jeweiligen Innenstadtbereich in Schaufenstern und auf öffentlichen Flächen gezeigt worden.

Das alte Kassel

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Nun hängen alle großformatigen Fotografien, die durch die historische Innenstadt führen, in unterschiedlichen Flügeln des Rathauses. Sie werden durch Texte ergänzt, die die Geschichte der Innenstadtgebäude und ihrer Bewohner erläutern.

Gabriela Wolff-Eichel, die Vorsitzende der Freunde des Stadtmuseums, sprach vom „Trauma der zerstörten Stadt“, das auch in der Nachkriegsgeneration fortlebe. Neben die Trauer um das Alte müsse das Bekenntnis zur heutigen Stadt treten, die sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt habe.

Ingo Buchholz, Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse, machte deutlich, dass bei aller Nostalgie und allem Bedauern die Ursache für die Zerstörung klar sei: der Unrechtskrieg der Deutschen.

HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden forderte mit Blick auf die Bausünden der Nachkriegszeit einen „gnädigen Umgang“ mit der Stadt. Kassel sei eine „Liebe auf den zweiten Blick“ und die halte bekanntlich länger.

Organisatoren: Gabriela Wolff-Eichel (Freunde des Stadtmuseums), Historiker Dr. Christian Presche und Ingo Buchholz (Vorstandsvorsitzender der Kasseler Sparkasse). Foto: Schachtschneider

Einen interessanten Exkurs zum Umgang mit der Bausubstanz nach dem Krieg lieferte der Kasseler Stadtplanungshistoriker Dr. Folckert Lüken-Isberner. Er stellte dar, wie Erich Heinicke, der in der NS-Zeit an den Gauhauptstadtplänen der Nazis mitarbeitete, auch nach dem Krieg als Stadtbaurat an dieser Vision einer „seelenlosen Stadt“ arbeitete. Dieser Vision seien etliche, auch nach der Bombennacht noch intakte historische Gebäude zum Opfer gefallen.

Für Aufsehen sorgte bei der Eröffnung auch die Erstaufführung der Historien-DVD „Vorhang auf ... für das Preussische Staatstheater in Kassel: Der Film, der nie gedreht wurde.“ Ab Mittwoch ist er in den HNA-Geschäftsstellen (11,90 Euro) erhältlich.

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