Schutzschirm hat Vorrang

Durststrecke für Freibäder: Entscheidung über Sanierung erst 2013

Großzügige Anlage mitten im Kurbezirk: Aus der Luft ist der Sanierungsbedarf des Freibades Wilhelmshöhe nur auf den zweiten Blick erkennbar. Die Umkleiden sind behelfsmäßig in den Containern rechts neben dem Nichtschwimmerbecken untergebracht.

Kassel. Etwa zehn Millionen Euro würde es kosten, die beiden in die Jahre gekommenen Freibäder in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe zu sanieren. Ob es dazu kommt, wird wahrscheinlich in diesem Jahr nicht mehr entschieden.

„Wir haben die Chance, 260 Millionen Euro Schulden abzubauen, das steht jetzt im Mittelpunkt“, sagt Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel.

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Am Montag, 25. Juni, werden die Kasseler Stadtverordneten darüber abstimmen, ob der Magistrat mit der Landesregierung Verhandlungen zur Schuldentilgung aufnehmen soll. Die

Zustimmung gilt als sicher. Bis zum Jahresende soll dann klar sein, zu welchen Konditionen Kassel den Schutzschirm des Landes in Anspruch nehmen kann.

„Bevor das nicht geklärt ist, werden wir keinen neuen Beschluss zu den Bädern fassen“, sagt Uwe Frankenberger, Fraktionsvorsitzender der SPD, die zusammen mit den Grünen eine Mehrheit im Parlament hat. Die Zeit werde man nutzen, um sich näher mit den Gutachten der Städtischen Werke zum Sanierungsbedarf der beiden Freibäder zu befassen.

Ob für das Bad in Harleshausen wirklich vier Millionen Euro nötig sind, hatte Ortsvorsteher Reinhard Wintersperger (SPD) bereits vor Wochen bezweifelt. Eine Delegation aus Bad Wilhelmshöhe mit Ortsvorsteherin Anja Lipschik (Grüne) fährt am Montag nach Mönchengladbach, um sich dort Anregungen zu holen. Das dortige Volksbad, das wesentlich größer ist als das Wilhelmshöher Bad, wurde im Verhältnis für deutlich weniger Geld saniert, als das in Kassel vorgesehen ist.

Ebenfalls ausgesprochen schön gelegen: Das Freibad in Harleshausen, dessen Sanierung etwa vier Millionen Euro kosten würde. Fotos:  Schachtschneider

Hinter den Kulissen wird jedenfalls kräftig Lobbyarbeit für den Erhalt der beiden Freibäder betrieben. Dazu bekennt sich der Förderverein in Harleshausen, dessen Vorsitzende die CDU-Politikerin Anita Mahrt ist. In Bad Wilhelmshöhe engagiert sich der Kasseler Sportprofessor Kuno Hottenrott als Vorsitzender des Fördervereins. Selbst in dem derzeitigen Zustand seien die beiden Freibäder gut nutzbar. „Wir müssen die Menschen motivieren, häufiger ins Schwimmbad zu gehen“, sagt Hottenrott. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitssportverein Bad Wilhelmshöhe wolle der Förderverein für neue Angebote sorgen. Gefordert seien aber auch die Stadt und die Städtischen Werke. Es reiche nicht aus, nur die Öffnungszeiten und die Eintrittspreise publik zu machen.

Unabhängig davon könnte die Hängepartie noch eine Weile weitergehen. Bäderdezernent Barthel spricht sich dafür aus, erst einmal Erfahrungen mit dem neuen Bad am Auedamm zu sammeln. Das soll im Frühjahr 2013 eröffnet werden.

Von Thomas Siemon

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