Gastronom bangt wegen Abriss des Overmeyer-Gebäudes um seine Existenz

Kaffee am Bauzaun: Hikmat Mohammadi von der Coffee Bar auf dem Königsplatz fürchtet, Stammkunden wie Sana Bödicker zu verlieren, wenn der Abriss des benachbarten Overmeyer-Gebäudes beginnt. Foto:  Lammel

Kassel. Hikmat Mohammadi fürchtet um seine Existenzgrundlage. Seine Coffee Bar am Königsplatz grenzt direkt ans Overmeyer-Gebäude, das einem Neubau weichen soll. In der vergangenen Woche wurde die Baustelle eingezäunt, jetzt soll das baufällige Gemäuer entkernt werden.

„Wenn der Abriss beginnt, werde ich schließen müssen. Und ich weiß nicht, ob ich je wieder öffnen kann“, sagt Mohammadi. Das Café sei seit fünf Jahren seine Lebensgrundlage, eine andere Einnahmequelle habe er nicht.

Wegen der Arbeiten am Nachbargebäude hat ihm die Stadt die Außenbewirtung nur bis Abrissbeginn am 16. September genehmigt. Danach wird der Baustellenverkehr vor seinem Café zunehmen, zudem wird ein schwenkbarer Kran aufgestellt, unter dem die Außenbewirtung zu gefährlich wäre. Ob Mohammadi im nächsten Jahr eine Genehmigung erhält, ist unsicher und hängt laut Angaben der Stadt vom Baufortschritt ab. Einen Rechtsanspruch auf die Außenbewirtung auf dem Königsplatz habe der Gastronom nicht.

Bis zur Fertigstellung des Baus könne er die Miete aber nicht aufbringen, da für die Bewirtung seiner Kunden dann nur der Innenraum zur Verfügung stünde, erläutert Mohammadi. Schon jetzt sei ein Umsatzrückgang spürbar, obwohl er mit dem Sommergeschäft für den Winter vorsorgen müsse.

„Ich werde meine Stammkunden verlieren, die sich bis zum Ende der Bauarbeiten sicher ein neues Café gesucht haben“, sagt Mohammadi. Sana Bödicker, seit Langem Kundin des Cafés, bestätigt die Einschätzung: „Wenn es hier richtig laut wird, muss ich mir ein anderes Café suchen.“

Deshalb fordert Mohammadi eine Entschädigung für seinen Verdienstausfall. „Doch niemand will die Verantwortung übernehmen.“ Die Stadt Kassel verweist auf den Bauherren Kanada Bau aus Braunschweig. Das Unternehmen, das 15 Millionen Euro in Abriss und Neubau des Gebäudes investiert, wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung aber nicht zu den Forderungen Mohammadis äußern.

In einem Schreiben an die Anrainer der Baustelle hatte Kanada Bau bereits mitgeteilt, man werde die Nachbarn mit allen technischen Möglichkeiten vor Lärm- und Staubentwicklung schützen. „Das nutzt mir aber nichts, wenn dort, wo sonst meine Gäste sitzen, die Baustellenfahrzeuge fahren“, sagt Mohammadi. Er wisse nicht, wie er sein Café noch retten solle. „Ich wünsche mir, das wir eine außergerichtliche Lösung finden.“ Der Gang vor Gericht sei nur die letzte Alternative.

Von Sebastian Lammel

Hintergrund: Arbeiten sind im Zeitplan

Die Arbeiten am ehemaligen Overmeyer-Haus am Königsplatz liegen im Zeitplan, sagt Martin Schmittdiel von der zuständigen ANP Architektur- und Bauplanungsgesellschaft. In der vergangenen Woche wurde die Baustraße, die Zufahrt für Lastwagen und Bagger zum Gebäude, erweitert. Zudem wurde der Bauzaun vor dem Gebäude aufgestellt. In dieser Woche soll mit der Entkernung des Hauses begonnen werden. Die Lastwagen, die den Bauschutt abtransportieren, werden nur vor neun Uhr morgens fahren, um die Beeinträchtigung der Nachbarn tagsüber gering zu halten. Mit Beginn der Abrissarbeiten ab dem 16. September ist mit mehr Baustellenverkehr auf dem Königsplatz zu rechnen. Der Neubau soll frühestens im Frühjahr 2014 eröffnet werden und Raum für Filialen von Sportscheck und O2 sowie für Büroflächen bieten. (sal)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.