Vor allem ältere Menschen setzen auf vollautomatische Klos, die mit Wasser reinigen

Dusch-WCs im Trend: Nicht mehr wischen, sondern waschen

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Ein Trend zeichnet sich ab: Dusch-WCs finden immer mehr Gefallen. Frank Piske aus Kassel informierte sich beim Dusch-WC-Truck auf dem Dez-Parkplatz über die verschiedenen Modelle.

Kassel. In vielen japanischen Haushalten sind sie längst nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken: Die Rede ist von Dusch-WCs, die den Allerwertesten mit einem Wasserstrahl reinigen und anschließend trockenföhnen.

In Deutschland fristen diese Klos ein relativ unbeachtetes Dasein. Hierzulande ist der Griff zum Toilettenpapier, im besten Falle zum feuchten, noch Standard.

Doch laut Thomas Paar, dem stellvertretenden Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Kassel, ist das vollautomatische Dusch-WC immer mehr im Kommen: „Besonders ältere Menschen, deren Mobilität abnimmt, setzen vermehrt auf die Reinigung des Gesäßes mit Wasser statt mit Papier.“

Kloschüsseln zum Testen

Wie genau sich das Wascherlebnis anfühlt, konnten unlängst Interessierte auf dem Dez-Parkplatz am eigenen Hinterteil erfahren. In dem Vorführwagen des Toilettenherstellers Geberit standen zwei Probe-Schüsseln bereit. Der Clou: Sämtliche Wasser- und Föhnaktionen ließen sich mit einer Fernbedienung steuern. Vom stark pulsierenden bis zum leicht massierenden Wasserstrahl war alles dabei. Auch die Düse des Strahls konnte vor und zurück bewegt werden, sodass kein Fleckchen dreckig blieb. Doch: Wer einen richtig trockenen Hintern haben wollte, musste etwas Zeit mitbringen. Bis zu drei Minuten konnte der Trockenvorgang dauern.

Zum Probesitzen auf dem vollautomatischen Porzellan kam Peter Dittmar aus Niestetal. Der 72-Jährige hat sich bereits vor zwölf Jahren einen Dusch-Aufsatz für sein Klo angeschafft: „Es wird wirklich alles sauber, da kann man nicht meckern.“ Auch Paar spricht von einer „sauberen Geschichte“, was die Hygiene betrifft.

„Aus ärztlicher Sicht ist die Analreinigung mit klarem Wasser und das Abtrocknen mit Luft die schonendste Methode“, sagt Prof. Dr. Rudolf Hesterberg, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel. Er erklärt: Bei der Reinigung mit trockenem Klopapier entsteht Reibung, die der Haut schaden kann. Und feuchtes Papier kann Duft- und Konservierungsstoffe enthalten, die nicht jeder verträgt. Entzündungen am Gesäß können die Folge sein.

Interesse an den Hightech-Klos zeigte auch Frank Piske aus Kassel. Er selbst habe noch keins, doch für seine Tante, die pflegebedürftig ist, sei es das Richtige. Nicht mehr in der Lage zu sein, sich selbst den Hintern zu putzen, das sei demütigend. Wenn dieses Klo das so lange wie möglich hinauszögere, dann sei es die Investition wert, meint Piske.

Für einen Vollautomaten nennt Paar derzeit einen Preis von etwa 2500 Euro. Er geht jedoch davon aus, dass dieser wegen der steigenden Nachfrage in den nächsten Jahren sinken wird. Der Tipp vom Fachmann: Wer sein Bad renoviert, sollte einen Stromanschluss zum WC verlegen. Auch wenn jetzt noch kein Bedarf bestehe, die Mobilität noch vorhanden sei, könne sich das mit zunehmendem Alter ändern, erklärt Paar. Und dann sei es gut, die nötige Elektrik bereits zu haben.

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