Trinkwasser wird in großen Mengen abgekocht

Dem E.-coli-Keim auf der Spur: Wie in einem Kriminalfall

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E. coli: Derzeit in Kassel ein großes Thema.

Kassel. Als am vorigen Freitag der E.-coli-Keim im Wasser auftauchte, gingen die Verantwortlichen im Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKH) im Kasseler Stadtteil Wehlheiden zunächst von einem hausinternen Problem aus.

Doch bei der Suche nach der Ursache stellte sich heraus, dass das Wasser schon mit Keimen von außen im Krankenhaus ankam, berichtet Dr. Tobias Brüggemann, verantwortlicher Arzt für die Krankenhaushygiene. „Es war ein bisschen wie in der Kriminaltechnik.“

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Dr. Tobias Brüggemann

Sofort seien alle Vorsichtsmaßnahmen verschärft worden. Für knapp 3000 Euro seien gleich am Freitag sogenannte Sterilfilter bestellt worden, die inzwischen an so gut wie allen Wasserhähnen installiert worden sind, gerade in Bereichen, in denen Patienten mit einem geschwächten Immunsystem behandelt werden. Knapp 100 Euro koste ein solcher Filter.

Offen und umfänglich habe man die Patienten informiert, sagte Brüggemann. Damit diese sich auch weiter bedenkenlos die Zähne putzen können, kauften Mitarbeiter des Krankenhauses in Supermärkten in Flaschen abgefülltes Wasser. „Ich hätte mit viel mehr Unruhe bei den Patienten gerechnet“, sagte RKH-Geschäftsführerin Elisabeth Deterding. „Aber das ging sehr ruhig vonstatten.“

Auf welchem Weg die Keime zu ihnen gelangt sind, haben die Kinder im ebenfalls betroffenen „Wiki“, der betrieblichen Kindertagesstätte des Kasseler Gas- und Ölförderers Wintershall auf der Marbachshöhe, bei einem kleinen Experiment gelernt. Schließlich hätten die Erzieherinnen ihnen erklären müssen, warum sie sich derzeit die Zähne ohne Wasser putzen müssen, berichtet „Wiki“-Leiterin Patricia Köhler. Zu trinken gebe es für die insgesamt 72 Kinder in der Einrichtung auch kein Wasser wie sonst, sondern nur Tee.

Wie kommen die Bakterien in die Kita? Den Weg der Keime hat Erzieherin Vanessa Schuster Carolina (6, links), Maja (5) und den anderen Kindern im Wintershall-Kinderhaus Wiki auf der Marbachshöhe mit einem Experiment erklärt. Fotos: Michaelis

Mit roter Farbe seien die Keime bei dem Experiment simuliert worden, wie sie sich den Weg durch die Leitungen bahnen. Auf einem großen Plakat haben Erzieherin Vanessa Schuster und die Kinder der orangefarbenen Gruppe mit Bildern den Versuchsaufbau dokumentiert. Seither kann jeder im Wiki den Weg der Bakterien nachverfolgen. Denn eines haben die Kinder gelernt. „Bakterien sind ganz klein“, sagen Carolina und Maja.

Viel informieren müssen derzeit Tobias Scholz, Empfangsleiter im Hotel und Restaurant Zum Steinernen Schweinchen in Brasselsberg, und seine Kollegen. Gerade die Gäste von außerhalb treffe die Nachricht von den Keimen völlig überraschend.

Hahn bleibt trocken: An den Spendern in der K+S-Unternehmenszentrale am Bahnhof Wilhelmshöhe gibt es derzeit kein Wasser.

„Wir kochen derzeit sämtliches Wasser ab“, sagte Scholz. Das fange schon morgens beim Zubereiten des Kaffees zum Frühstück an. Und auf den derzeit komplett ausgebuchten 73 Zimmern haben die Gäste stilles Wasser zum Zähneputzen.

Auch in der Kantine des Düngemittel- und Salzproduzenten K+S werden Lebensmittel nur noch mit abgekochtem Wasser gewaschen, sagte Florian Koss, Leiter der Unternehmenskommunikation der Betreiberfirma Eurest. 400 Essen bereiten die 17 Mitarbeiter jeden Tag bei K+S zu.

Außer Betrieb sind Schankanlagen, an denen sich Gäste sonst Cola und andere Getränke zapfen können. Auch sie werden mit Trinkwasser gespeist, genau wie Wasserspender im K+S-Gebäude, die ebenso außer Betrieb sind.

Lesen Sie auch: Nach Keim-Befall: Städtische Werke chloren das Trinkwasser

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