Wie nachhaltig sind E-Scooter?

E-Scooter: Kommen die Tretroller bald auch nach Kassel?

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E-Scooter-Pionier: Alexander Büttner von Greenpeace hat kein Auto, dafür aber nun einen elektrischen Tretroller. Infos zum Akkustand gibt es über die App auf dem Smartphone.

In Berlin und anderen Metropolen rollen vor allem junge Leute auf E-Scootern durch die Innenstädte. In Kassel sucht man sie bislang vergebens. Wir haben trotzdem einen getestet.

Für Alexander Büttner ist der E-Scooter die ideale Erfindung. Der 41-Jährige engagiert sich als Umweltschützer bei Greenpeace und im Kasseler Umwelthaus, hat kein Auto, fährt aber nicht gern Rad. Wenn er Fahrrad sagt, klingt es wie eine Hautkrankheit. 

Nun hat sich Büttner einen E-Scooter gekauft. Für die einen sind die elektrischen Tretroller Vorreiter der Verkehrswende, für andere nur „fahrende Nespresso-Kapseln“, die die Innenstädte verstopfen. Sind E-Scooter auch für Kassel geeignet?

E-Scooter im Alltagstest

Ganz billig ist der Segway Ninebot nicht. 799 Euro hat Büttner für das Modell des US-Herstellers bezahlt. Dafür kommt der Zahntechniker von seiner Wohnung im Vorderen Westen nun ganz bequem zur Arbeit. Bis zu fünf Kilometer lange Wege legt er mit dem E-Scooter zurück.

Das Fahren ist kinderleicht und macht Spaß. Gas gibt man per Daumen, die Bremsen funktionieren super. Die App auf dem Smartphone sagt einem, dass man mit vollem Akku noch 63 Kilometer rollen kann. Nur mit einer Hand sollte man lieber nicht fahren – zu gefährlich.

Allerdings darf man sich nicht wundern, wenn man reihenweise von Radfahrern überholt wird. In Deutschland dürfen E-Scooter nicht schneller als 20 km/h fahren. Zudem braucht man ein Versicherungskennzeichen.

E-Scooter: Verleihsysteme

Auf Kassels Straßen sieht man E-Scooter so oft wie ein Greenpeace-Mitglied im Porsche. Trotzdem wurde Büttner schon angepöbelt. Sein Gefährt sei zu gefährlich, hieß es. Viele kennen Tretroller aus Berlin und Frankfurt, wo Verleihfirmen die Innenstädte mit den Fahrzeugen überflutet haben. 

Wer sie ausprobiert hat, findet sie meist cool – wenngleich sie mit Gebühren von etwa einem Euro plus 15 Cent pro Minute nicht billig sind. Alle anderen regen sich über die Roller auf, die Wege versperren oder in der Spree landen.

Büttner ist bei Facebook in einer E-Scooter-Gruppe, in der täglich Bilder von zerstochenen Reifen hochgeladen werden. Von Verleihsystemen hält er „nicht viel“, wie er sagt. Es ist umstritten, wie nachhaltig die Roller-Revolution ist. Schließlich müssen die Fahrzeuge abends mit Lastern eingesammelt, über Nacht aufgeladen und morgens wieder hingestellt werden. Zudem sollen viele Akkus schon nach wenigen Monaten hinüber sein.

E-Scooter bald in Kassel?

Auch deswegen ist man im Kasseler Rathaus skeptisch, wo bislang drei Anbieter wegen eines Ausleihsystems „unverbindlich angefragt“ haben, wie Sprecher Claas Michaelis sagt: Von E-Scootern sei „kein sinnvoller Beitrag zur nachhaltigen Sicherung von stadtverträglicher Mobilität zu erwarten“.

Anderswo ist man dagegen anderer Meinung. So versorgen die sechs großen Anbieter mittlerweile auch kleinere Großstädte wie Erfurt, Bielefeld, Heidelberg, Ingolstadt und Karlsruhe. Einer der Pioniere ist das Berliner Start-up Tier Mobility, für das „grundsätzlich alle Städte ab 100.000 Einwohnern wirtschaftlich interessant sind“, wie ein Sprecher mitteilt. Konkrete Pläne für Kassel gebe es nicht.

Ähnlich sieht es beim Konkurrenten Circ aus, bei dem man derzeit in neun deutschen Städten E-Scooter ausleihen kann, drei weitere sollen bis Ende des Jahres dazukommen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir im kommenden Jahr auch in Kassel aktiv werden“, sagt ein Sprecher. Voraussetzung sei aber, dass „wir willkommen sind“.

Der E-Scooter-Fan und Nichtradler Büttner hat derweil festgestellt, dass Kassel noch bei einer anderen Sache Nachholbedarf hat: „Die Radwege sind auch für Roller unglaublich schlecht.“

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