Kayacik reden wie eine Mischung aus Farid Bang und Julian Nagelsmann

Dieser 19-Jährige ist Kassels erster Weltklassefußballer

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Auf Platz fünf der „Fifa“-Weltrangliste: Seit März startet Furkan Kayacik (rechts) für das E-Sports-Team des Rappers Farid Bang. 

Früher träumte Furkan Kayacik davon, Fußball-Profi zu werden. Nun ist der 19-Jährige Weltklasse: Als E-Sportler an der Playstation. Der Kasseler zockt "Fifa" für das Team zweier Skandalrapper. 

Seit Juni hat Kassel einen Weltklassefußballer. Er ist erst 19 Jahre alt, wird auf Rang fünf der offiziellen Weltrangliste geführt und um Selfies gebeten, wenn er in der Stadt unterwegs ist. Furkan Kayacik ist tatsächlich Profifußballer, allerdings an der Playstation. 

Der junge Mann aus der Unterneustadt spielt seit seinem neunten Lebensjahr „Fifa“, die bekannteste Sportsimulation am Computer. Nun ist für Kayacik ein Traum wahr geworden, den Millionen Kinder träumen: den ganzen Tag zocken und damit Geld verdienen.

Talentierter Nachwuchskicker: Als Kind träumte Kayacik davon, so gut kicken zu können wie der Kugelblitz Ailton von Werder Bremen, wie der HNA-Ausschnitt aus dem Jahr 2008 zeigt.

Im März wurde er von den Skandal-Rappern Farid Bang und Kollegah für ihr neu gegründetes E-Sports-Team verpflichtet. Es heißt JBG Gaming. Die Buchstaben stehen für „Jung, brutal, gutaussehend“, wie ihr erstes gemeinsames Album hieß.

Ähnlich jung und brutal erfolgreich wie die deutsche Rap-Szene ist auch der elektronische Sport. Vereine wie Schalke 04 und der VfL Wolfsburg leisten sich mittlerweile teure E-Sports-Teams. Die virtuelle Bundesliga VBL wird im Internet und im Fernsehen übertragen. Und bei Turnieren wie zuletzt in Bukarest können die Teilnehmer 10.000 Dollar gewinnen. „Das wird noch steil ansteigen“, prophezeit Kayacik, der es in der rumänischen Hauptstadt unter die besten Acht schaffte, meist aber von zuhause aus spielt.

Dabei träumte der ehemalige Schüler des Goethe-Gymnasiums einst von einer Fußballkarriere auf dem Rasen. Bereits als Achtjährigen porträtierte unsere Zeitung den „Kugelblitz vom FSC Lohfelden“. In der B-Jugend kickte Kayacik für den KSV Hessen in der Hessenliga, ehe eine Leistenverletzung die Karriere beendete: „Nach dem zehnten Spezialisten habe ich gemerkt, das bringt nichts mehr.“

Damals trainierte Kayacik neben der Schule noch viermal in der Woche auf dem Platz. Abends zockte er an der Playstation, um runterzukommen – und wurde immer besser. Ende vorigen Jahres wurden Agenturen auf ihn aufmerksam. Als einer von zwei Spielern unterschrieb er bei JBG Gaming. Im September, nachdem die 20. und neueste „Fifa“-Version erschienen ist, will er „komplett durchstarten“.

Wenn Kayacik über E-Sports redet, klingt er wie eine Mischung aus Farid Bang und dem Bundesliga-Trainer Julian Nagelsmann. Er ist sehr selbstbewusst, was er auch seinen fast 20.000 Youtube-Abonnenten zeigt, die ihm beim Spielen zuschauen. Er kann aber auch wie ein Fußballlehrer über Pässe in die Schnittstellen und andere taktische Feinheiten sprechen.

„Man braucht viel echtes Fußballverständnis“, sagt Kayacik. Bis zu acht Stunden am Tag verbringt er mit „Fifa“. Er spielt, analysiert die Taktik, schneidet Filme für seinen Youtube-Kanal „FurkyPlayz“ und unterhält seine Instagram-Follower.

Zuhause richtet er sich gerade ein Studio ein, um noch bessere Clips zu drehen. Als er im Wintersemester entschied, sein gerade begonnenes Maschinenbaustudium erst einmal sein zu lassen, fanden seine Eltern das okay: „Falls es schlecht läuft, höre ich nach zwei Jahren wieder auf.“

Danach sieht es derzeit nicht aus. In der Szene ist er schon jetzt ein Star. Bei Youtube schrieb ein Fan: „Aus dir wird ein ganz Großer.“ Und ein anderer ahnt: „Ab jetzt wird alles rasiert.“

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