Pro-Nordhessen-Treff

Wie Wissen zu Wirtschaft wird

Junge Gründer: Johannes Tschich (von links, Mobihasy), Nadja Porsch (Textildesign), Martin Reh (Medizin-Rucksack), Moderatorin Marie-Louise Cardell (hr), Sohrab und Khesrau Noorzaie (Handy-Freisprechanlage für Fahrräder) und Dr.-Ing. Christoph Pohl (etaopt Vakuumtechnik). Foto: Zgoll

Kassel. Wenn es darum geht, das an einer Universität erarbeitete theoretische Wissen in die Praxis der Unternehmen zu bringen, hat die Kasseler Uni die Nase vorn.

Die als „Gründeruniversität“ ausgezeichnete Hochschule hilft Wissenschaftlern, ihre Ideen in die Tat umzusetzen und damit Geld zu verdienen. 380 Unternehmen mit rund 10 500 neuen Arbeitsplätzen sind bereits aus der Uni heraus gegründet worden.

Uni-Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep verriet beim Pro-Nordhessen-Treff im EAM-Gebäude den 250 Zuhörern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, wie das geht. Der Wissenstransfer aus der Uni in die Wirtschaft sowie die Gründungsförderung seien als zentrale Aufgaben erkannt. Mit der „Unikat-Strategie“ werde unternehmerisches Denken und Handeln gezielt gefördert. Bereits in sieben von elf Fachbereichen gebe es „Unikat-Agenten“, die unternehmerische Talente und spannende Ideen identifizieren und fördern. Die Uni habe eine Plattform zum Geldeinsammeln für Gründungen geschaffen und für einen einfachen Zugang zu Wagniskapital bis 200 000 Euro gesorgt. Postlep: „Kapital für eine gute Idee zu kriegen, ist eine große Hürde.“

Als Krönung entstehe derzeit der Kasseler Science Park (Wissenschaftspark) mit Büros, Werkstätten und Laboren für Unternehmensgründer.

Die kamen auch selbst zu Wort, um von Erfolgen zu berichten und den künftigen Gründern wichtige Tipps zu geben. Johannes Jacop (Software-Beratung Yatta, 2009 gegründet, 23 Mitarbeiter) nannte als Erfolgsfaktoren die drei K: „Kohle, Kunden und Kontakte.“ Und ergänzte diese um Passion und Beharrlichkeit: „Man muss lieben, was man tut.“ Das sah auch Thomas Landgraf so, der seine Enercast GmbH 2011 gegründet hatte und heute mit 26 Mitarbeitern Leistungsprognosen für erneuerbare Energien liefert. Damit können Energie-Unternehmen ihre Wirtschaftlichkeit steigern.

Dass es nicht bloß eine digitale Zukunft, sondern auch Ideen zum Anfassen gibt, stellten weitere Gründer unter Beweis. Dazu gehörten Textildesignerin Nadja Porsch und Martin Reh, der zusammen mit zwei Mitgründern einen Medizin-Rucksack entwickelt hat, der nur mit der Kraft der Sonne Operations-Besteck auch in Entwicklungsländern und Katastrophengebieten reinigen, desinfizieren und sterilisieren kann.

Die Brüder Khesrau und Sohrab Noorzaie haben eine Freisprechanlage fürs Rad erdacht, mit deren Hilfe Radler gefahrlos telefonieren können. Dr.-Ing. Christoph Pohl ersetzt Druckluft durch Vakuumtechnik, für die er bereits vier Patente angemeldet hat. Druckluft ist teuer, weil ihre Erzeugung viel Energie verbraucht. Mit der Vakuumtechnik bei Antrieb und Handhabung können Industrieunternehmen viel Geld sparen.

Die Idee für einen mobilen Kaninchenstall stellte Johannes Tschich vor. Zusammen mit zwei weiteren Absolventen der ökologischen Landwirtschaft hat er ein artgerechtes und wirtschaftliches Haltungssystem für Kaninchen im Freiland entwickelt. Bis zu 80 Tiere kommen im „Mobihasy“ unter, der seit zwei Jahren im Testbetrieb ist. Das ist kein Streichelzoo, sondern dient der Fleischproduktion, die ökologischer ist als Rinder- oder Schweinemast.

Von Jörg Steinbach

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