Amtsgericht Kassel verhängte Bewährungsstrafen für Betrug mit fingierten Verkehrsunfällen

Echtes Geständnis oder taktische Lüge?

Kassel. Die Anklage sprach von fingierten Autounfällen - und auch im Gerichtssaal hatte es verbale Zusammenstöße gegeben. Derart, dass Richterin Ferchland in ihrer Urteilsbegründung betonte: „Das Gericht spart sich jetzt die Polemik aller Beteiligten.“ Ferchland und zwei Schöffen verurteilten jetzt einen 29- und einen 26-jährigen Mann aus Kassel zu Bewährungsstrafen. Sie sahen es als erwiesen an, dass die beiden Männer Autounfälle verabredet hatten, um ihre Versicherungen zu betrügen.

Der 29-Jährige – einfach vorbestraft, aber nicht einschlägig – wurde wegen drei Betrugsfällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Als Bewährungsauflage soll er 5000 Euro an die Staatskasse zahlen.

Gegen den mehrfach vorbestraften 26-Jährigen wurde wegen zweier Betrugsfälle eine Freiheitsstrafe von einem Jahr verhängt. Er ist zurzeit nicht berufstätig und nach eigenen Angaben gesundheitlich eingeschränkt. Er soll als Bewährungsauflage 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Ein dritter Mann, 27 Jahre alt, wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt. Gestützt auf das Unfallgutachten eines Kfz-Sachverständigen ging das Gericht davon aus, dass er auf Bestellung einen geparkten Wagen des 29-Jährigen angefahren hatte. Belege dafür, dass die beiden sich schon vor dem Unfall kannten, hatten allerdings nicht beigebracht werden können.

Der 27-Jährige hatte behauptet, der Unfall sei passiert, als er sich im Fahren nach seinem jaulenden Hund umgedreht habe.

„Alles Märchen“, hatte Oberstaatsanwalt Dieter Wallbaum befunden. Betrügereien mit fingierten Unfällen nähmen überhand, wetterte er gleich zu Beginn seines Plädoyers. Gerade im Taxi-Gewerbe, in dem auch der 29-Jährige tätig ist, gebe es schwarze Schafe. Das angefahrene geparkte Auto sei eine „vorverunfallte Schrotte“ gewesen, das „ideale Fahrzeug“, um bei der Versicherung abgerechnet zu werden.

Über den 26-jährigen Angeklagten sagte Wallbaum, für ihn müsse es sich lohnen, dass er die Karten auf den Tisch gepackt habe. Der jüngere Mann hatte den 29-Jährigen zunächst mit einem Geständnis belastet, es zeitweise widerrufen und am Ende erneut erklärt, sie beide hätten einen nächtlichen Zusammenstoß ihrer Autos auf dem Kasseler Kreisel verabredet.

Verteidiger Thomas Hammer hatte Freispruch für den 29-Jährigen gefordert. Der 26-Jährige habe keine Details zur angeblichen Verabredung schildern können. Der Mann lüge - und habe dafür auch ein Motiv: „Er steht mit einem Bein im Knast und kann sich eine Chance ausrechnen, wenn er sagt, die Staatsanwaltschaft hat recht ...“

Von Katja Schmidt

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