Präsident im Polizeipräsidium Nordhessen wird in Ruhestand verabschiedet

Eckhard Sauer: Der Polizeichef geht auf Pilgerreise

Er wird heute in den Ruhestand verabschiedet: Eckhard Sauer ist seit März 2010 Präsident des Polizeipräsidiums Nordhessen gewesen. Foto: Malmus

Kassel. Über zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte ist in den vergangenen Jahren viel berichtet worden.

Nordhessens Polizeipräsident Eckhard Sauer, der heute nach fünf Jahren an der Spitze der Behörde in den Ruhestand verabschiedet wird, vertritt nicht die Ansicht, dass alles schlimmer geworden ist. „Vielleicht haben sich die Sitten und Bräuche mancher Mitmenschen gegenüber der Polizei geändert“, sagt der 66-Jährige. Aber die Gewalt gegenüber Polizisten gab es auch schon früher. „Die RAF hat auch einige unserer Kollegen erschossen, von denen heute kaum ein Mensch mehr spricht.“

Die RAF-Zeiten hat Sauer als junger Polizist in Frankfurt erlebt, zum Beispiel die Festnahmen der Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Als Sauer 2010 Nachfolger von Wilfried Henning im Polizeipräsidium Nordhessen wurde, beschrieb er seine Anfänge bei der Polizei als „unruhige Zeit“.

Nicht nur mit dem linksextremen Terrorismus und seinen Begleiterscheinungen musste sich Sauer auseinandersetzen. Als im November 2011 herauskam, dass der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) für eine Mordserie in Deutschland, darunter auch für den Mord an Halit Yozgat in Kassel, verantwortlich ist, da war nicht nur Sauer überrascht. „Keiner hätte erwartet, dass Terroristen dahinterstecken.“ Bekennerschreiben fehlten. Zudem sei er entsetzt gewesen, wie schnell die Öffentlichkeit vom Versagen der Ermittler gesprochen habe. „Unsere Leute haben sich alle Mühe gegeben, den Mord an Yozgat aufzuklären. Sie sind 1000 Spuren nachgegangen“, sagt Sauer. Wenn eine Behörde Fehler bei den Ermittlungen gemacht habe, sei es in seinen Augen der Verfassungsschutz in Thüringen gewesen.

Der Vorgesetzte Sauer wird von seinen Kollegen und Verhandlungspartnern als freundlich und aufgeschlossen beschrieben. Ein Chef, der angenehm zurückhaltend ist, sich aber auch durchsetzen kann. Sein Verhältnis zu Personalrat und Gewerkschaften beschreibt Sauer selbst als harmonisch.

Das Schlimmste, was er in jüngster Zeit bei der Polizei erlebt habe, sei der Schusswechsel zwischen einem 23-jährigen Angreifer und der Polizei im November vergangenen Jahres in einem Haus an der Unteren Königsstraße gewesen, sagt Sauer. Ein Beamter erschoss den 23-Jährigen, nachdem dieser zuvor neun Schüsse auf seine Kollegen abgegeben und diese schwer verletzt hatte.

Sauer war nicht nur als Vorgesetzter betroffen, sondern auch als Vater. Seine jüngste Tochter Franziska (24), die gerade ihre Ausbildung bei der Polizei beendet, hätte auch bei dem Einsatz dabei sein können, wie ein Kommilitone von ihr. Sie hatte aber frei.

Sauer hat demnächst viel Zeit, seiner jüngsten Tochter (die älteste Tochter Anke ist bei der Schutzpolizei in Lüneburg) alles über den Polizeiberuf zu erzählen. Die beiden gehen gemeinsam auf Pilgerreise nach Santiago de Compostela.

Zur Person

Eckhard Sauer (66) wurde in Wabern geboren und besuchte in Fritzlar die Schule. Als 18-Jähriger kam er zur Polizei. Seine Ausbildung begann er bei der Bereitschaftspolizei in Kassel, dann wechselte er nach Frankfurt. 1976 kehrte er nach Kassel zurück, zuerst war er im Polizeipräsidium am Königstor, 1982 wechselte er in das Regierungspräsidium, das damals noch für die Spezialeinheiten bei der Polizei zuständig war. Zwischen 2001 und 2006 war er bereits Vizepräsident in Kassel, dann wurde er Präsident im Polizeipräsidium Fulda. Im März 2010 wurde Sauer zum Präsidenten des Polizeipräsidiums Nordhessen ernannt. Sauer ist verheiratet, er und seine Frau Gudrun haben einen Sohn und drei Töchter im Alter von 24 bis 40 Jahren und drei Enkel. Seit 1980 lebt die Familie in Habichtswald.

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