Eckhardt Mihr (73) zählte zu den ersten Wehrpflichtigen, die eingezogen wurden

Als Funker im Panzer: Eckhardt Mihr (links), einer der ersten Wehrpflichtigen, 1958 während der Bundeswehrzeit in Fritzlar. Foto: privat/nh

Baunatal. Eckhardt Mihr aus Großenritte gehörte 1958 zum ersten Geburtsjahrgang, der zur Bundeswehr eingezogen wurde. Er diente bei den Panzeraufklärern in Fritzlar.

„Wir waren damals nichts“, so erinnert sich der 73-Jährige, „die reinste Striezerei.“ Ehemalige Wehrmachtsoffiziere schickten die jungen Soldaten während der Grundausbildung in den Dreck. Fast alles Adlige, wie früher üblich bei höheren Chargen im Militär.

Das Ende der Wehrpflicht - Männer aus der Region erinnern sich

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Die Adenauer-Regierung hatte festgelegt, dass nach den sogenannten weißen Jahrgängen die jungen Männer, die in der zweiten Jahreshälfte 1937 geboren waren, als Erste Wehrdienst leisten mussten. Das betraf vier Großenritter.

Das Übelste sei gewesen, auf dem Bauch über den Fritzlarer Flugplatz zu robben, wo auch Schafe weideten, sagt Mihr: „Das war das Dreckigste, was es gab.“ Besser wurde es für ihn, als er nach drei Monaten Grundausbildung als Sprech- und Tastfunker geschult wurde. Danach war seine Einheit auf leichten Panzern unterwegs. Am letzten Tag wurde er Unteroffizier.

Eckhardt Mihr

Der gelernte Werkzeugmacher Mihr arbeitete schon als Gruppenführer bei Henschel, als er eingezogen wurde. 1959 kehrte er zu Henschel zurück, heiratete 1961 seine Brunhilde, wechselte 1963 zu VW und verantwortete dort zuletzt – bis 1995 – als Unterabteilungsleiter die gewerbliche Ausbildung. Er engagierte sich als SPD-Kommunalpolitiker, im Vereinsleben, in Wirtschaftsgemeinschaft und IHK Kassel.

Zum Wehrdienst in Zeiten des Wirtschaftswunders, das im Zivilleben so viele Chancen bot, sagt er heute: „Für mich war das eine Bremse.“ Er verdiente 2,10 Mark pro Stunde, beim Bund gab es zwei Mark am Tag. Mihr findet gut, dass die Wehrpflicht endet, obwohl er sieht, dass die Bundeswehr Auffangbecken für junge Menschen sein kann. Nun könne es sich ja jeder selbst aussuchen. (ing) Foto: Jünemann

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