Neues System bei Selbstbedienungskassen

Kein Ausgang ohne Bon: Kunden im Edeka-Aschoff müssen SB-Kassenzettel scannen

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Sie macht es gleich beim ersten Mal richtig: Als Gudrun Knörnschild ihren Kassenbon an der Säule einscannt, öffnen sich die grün leuchtenden Pforten für den Ausgang.

Wenn es an der Kasse schnell gehen muss, nutzen viele Kunden die Selbstbedienungskassen. Ohne Kassenbon kommen Kunden im Edeka-Aschoff allerdings nicht weit.

Ohne ihren Kassenbon kommen Kunden im Edeka-Markt Aschoff an der Frankfurter Straße nicht weit. Wer dort seinen Einkauf mit der Scanbox oder an den Selbstbedienungskassen (SB-Kassen) abrechnet, muss seit drei Wochen seinen Kassenbon einscannen, um den Kassenbereich des Einkaufsmarktes verlassen zu können.

Erst nach dem Einscannen des Zettels öffnen sich die beiden Pforten des sogenannten Check-Out-Gates und der Kunde kann den Markt mit seinem Einkauf verlassen. Die Neuerung sei unter anderem eine Möglichkeit zur Sicherung der SB-Kassen, wie eine Mitarbeiterin des Edeka-Marktes sagt.

Für eine erhöhte Diebstahl-Rate an Selbstbedienungskassen würde es in Deutschland aber keine Bestätigung geben, sagt Frank Horst – Leiter Forschungsbereich Inventurdifferenzen und Sicherheit vom Institut des Handels EHI. „Es ist nicht mehr, als an der bedienten Kasse. Das Meiste wird im Geschäft eingesteckt.“

Selbstbedienungskassen sind nicht für den Großeinkauf gedacht

Für Horst ist diese neue Sicherung eher eine Art psychologische Barriere. „Der Kunde ist bemüht, alle Artikel korrekt einzuscannen. Es ist eher die Angst, am Ende nicht alles abgerechnet zu haben“, sagt auch Kaufmann Marco Wenzel. Für seinen Edeka-Neubau in der Nordstadt plant er mit drei Möglichkeiten zum Kassieren: der klassischen Variante mit Verkäufer, der Scanbox mit Handscanner und dem Selbstscan-Automaten mit Waage.

Für den Großeinkauf seien die Selbstbedienungskassen aber nicht gedacht, sagt Rewe-Kaufmann Jörn Berszinski. „Die sind für den schnellen Einkauf und werden sehr stark genutzt.“ Für den Einkäufer sind laut Wenzel auch die Endkontrolle, alles eingescannt zu haben und die Preiskontrolle anhand des Kassenbons bei jedem Artikel ein zentraler Faktor. „Wichtig für den Kunden ist ein sicheres Gefühl.“

Während sich einige Märkte – darunter auch Aldi und Real – noch bewusst gegen diese Art von Kassen entscheiden, ziehen andere Märkte seit Jahren positive Bilanz. Beim Einrichtungskonzern Ikea nutzen rund 40 Prozent der Kunden die 2009 eingeführten SB-Kassen.

Kein Schlangestehen an der Kasse

Immer mehr Einkaufsmärkte setzen auf Selbstbedienungskassen. Laut Frank Horst machen sie mindestens 20 Prozent der Transaktion des Geschäfts aus. Waren es 2017 noch 530 Märkte, sind es mittlerweile etwa 1000. Dahinter steht der Service-Gedanke, alle Kunden schnellstmöglich bedienen zu können und lange Wartezeiten zu vermeiden. „Vier Kassen können zwei Bedienungskassen ersetzen“, sagt Horst. Stark nachgefragt seien die SB-Kassen vor allem zu Stoßzeiten.

Kunden stehen in Kassel vor verschlossenen Pforten

Der gelbe Hinweis-Zettel an der Selbstbedienungskasse im Edeka-Markt.

Wenn es an der Kasse schnell gehen muss, nutzen viele Kunden die Selbstbedienungskassen. Ob im Supermarkt bei Rewe und Edeka oder im schwedischen Möbelhaus Ikea – zusätzlich zu den klassischen Kassen, an denen ein Verkäufer bedient, bieten immer mehr Geschäfte ihren Kunden Alternativen.

Der Vorteil der SB-Kassen: Die Schnelligkeit macht das Einkaufen für Kunden noch bequemer. „Die Selbstbedienungskassen nutze ich für Kleinigkeiten. Mit mehreren Artikeln erledige ich das weiter an der Kasse“, sagt beispielsweise Frank Waßmuth beim Einkauf bei Edeka-Aschoff am Samstag.

Als Stefan Arzt den Bereich der dortigen vier SB-Kassen verlassen will, bietet sich ihm allerdings ein ungewohntes Bild. Die elektronischen Pforten öffnen sich nicht wie üblich von selbst, sondern versperren ihm den Ausgang, es piept und blinkt rot.

Eine Situation, die in diesen Tagen in dem Supermarkt an der Frankfurter Straße einige Kunden erlebt haben dürften. Der Grund dafür ist eine neue Technik im Kassenbereich des Marktes. Kunden, die die Scanbox oder SB-Kasse nutzen, müssen seit drei Wochen nach dem Bezahlen am Ausgang ihren Bon einscannen, um den SB-Kassenbereich verlassen zu können.

An den Selbstbedienungskassen hängen Hinweis-Zettel

Dass diese Neuerung vielen Kunden, trotz gelbem Hinweis-Zettel an den SB-Kassen, noch nicht bekannt ist, sei nicht ungewöhnlich, sagt ein Mitarbeiter des Edeka-Marktes. „Es braucht eine Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Monaten, dann wissen es eigentlich alle Kunden – bis auf die Gelegenheitseinkäufer“, sagt er.

„Beim ersten Mal bin ich gegen die verschlossenen Pforten gelaufen. Das Hinweisschild habe ich erst danach gelesen“, sagt Udo Gerlach aus Fuldabrück. Gudrun Knörnschild hingegen ist der gelbe Zettel schon während des Scan-Vorgangs aufgefallen. „Da ich den Kassenzettel eh immer mitnehme, habe ich damit kein Problem“, sagt die ehemalige Kassiererin. Andere müssen an diesem Tag erst auf den Hinweis aufmerksam gemacht werden – viele Kunden holen auch nachträglich noch ihren Bon von der SB-Kasse ab.

„Das System kenne ich schon vom letzten Einkauf. Da hatte ich den Kassenbon schon in der Tasche und stand vor verschlossenen Toren. Dann musste ich ihn wieder raussuchen“, sagt ein 57-Jähriger aus Kassel und Frank Waßmuth fügt hinzu: „Mit zwei Taschen ist das doof, das funktioniert nicht.“

Wer im Edeka-Aschoff also in Zukunft die SB-Kassen nutzen will, sollte daran denken, seinen Bon mitzunehmen und bereit zu halten. Ansonsten steht er vor verschlossenen Pforten.

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