Das ehemalige Bordell im Dönche-Park wird zum Schulungszentrum umgebaut

Ehemaliges Bordell wird Schulungszentrum

Dönche-Park der Nibler-Gruppe an der Korbacher Straße 173 in Nordshausen: Das ehemalige Bordell-Gebäude wird jetzt von der Firma Brooke-Edwards Werkstoffprüfungen in ein Schulungs- und Tagungszentrum verwandelt. Foto: Steinbach

Kassel. Aus dem ehemaligen Bordell wird jetzt ein Schulungs- und Tagungszentrum. Das Gebäude an der Einfahrt zum Dönche-Park der Nibler-Gruppe wird umgebaut. Das Unternehmen Brooke-Edwards Werkstoffprüfungen will das Haus ab Juli selbst nutzen und zudem für Seminare, Schulungen und Tagungen vermieten.

Auch Büros auf Zeit sollen dort künftig zu mieten sein. Die Eröffnung des Bordells im Dezember 2006 hatte in Nordshausen und Oberzwehren für große Aufregung gesorgt (siehe Chronik). Die heftige Kritik von Bürgern, Gewerbetreibenden, den beiden Ortsbeiräten Nordshausen und Oberzwehren sowie der Wohnungsgesellschaft GWH, die sich mit in der Interessengemeinschaft gegen den Nachtclub engagiert hatte, verpuffte wirkungslos. Die Stadt musste das Bauvorhaben aus planungsrechtlichen Gründen genehmigen, obwohl Kassels damaliger Stadtbaurat Norbert Witte (CDU) angekündigt hatte, das geplante Bordell mit allen Mitteln verhindern zu wollen.

Doch in der Bauverwaltung war die notwendige Anpassung von veralteten Bebauungsplänen versäumt worden. Der Bordellbetreiber hatte einen Rechtsanspruch auf die Baugenehmigung, die im November 2006 erteilt wurde. Einen Monat später wurde das Freudenhaus in unmittelbarer Nähe zur Willy-Brandt-Schule und zum Lichtenberg-Gymnasium eröffnet.

Die Rotlicht-Geschäfte auf dem Gelände des ehemaligen Betonwerks waren aber offenbar nicht gut gelaufen, das Bordell schloss Ende 2007 die Türen. Seit 2008 stand das Gebäude wieder leer.

Jetzt folgt eine Nutzung, die bei den Nachbarn und dem Eigentümer gern gesehen ist. Mit dem neuen Seminar- und Schulungszentrum werde eine „ideale Infrastruktur für die berufliche Weiterbildung angeboten“, heißt es auf der Internet-Homepage der Nibler-Gruppe. „Die Idee für das Quality-Center ist aus unseren persönlichen Bedürfnissen entstanden“, sagt Geschäftsführerin Ingrid Brooke-Edwards. Man schaffe moderne Schulungsräume mit professioneller Technik für die stetige Weiterbildung und Qualifizierung der 28 Mitarbeiter des Unternehmens.

Darüber hinaus erhofft sich die Chefin Erfolg bei der Vermietung der für bis 60 Personen geeigneten Räume. Eine kleine Kantine soll das Angebot des Veranstaltungszentrums abrunden und auch den Mitarbeitern der weiteren Firmen im Dönche-Park zur Verfügung stehen. Das Unternehmen Brooke-Edwards investiert in das Haus mit rund 900 Quadratmetern auf drei Etagen 150 000 Euro. Die Nibler-Gruppe macht zur Höhe der Investition keine Angaben.

Bordellbetrieb währte nur Monate

Seit November 2005 waren Kommunalpolitiker und Rathausmitarbeiter über die Pläne für einen Bordellbetrieb im Dönche-Park informiert. Im Januar 2006 kritisierte der Ortsbeirat Nordshausen die Pläne und forderte umfassende Aufklärung. Im Rathaus wurde versucht, das unangenehme Projekt aus der Welt zu schaffen. Doch das klappte nicht. Die von der Stadtverordnetenversammlung im Februar 2006 gefassten Beschlüsse erfolgten zu spät. Die Stadt hätte nach Einschätzung des Rechtsamtes einen Prozess riskiert, wenn sie den bereits vorher beantragten Nachtclub-Ausbau nicht genehmigt hätte. Nachdem das im September 2006 bekannt wurde, erhob sich in Nordshausen und Oberzwehren massiver Protest gegen das Rotlicht-Areal. Anwohner, Sportvereine und die Kirchen liefen Sturm.

Eine Interessengemeinschaft „Kein Bordell im Dönche-Park“ gründete sich und wollte Bürgerwachen aufstellen. Zeitweise waren nahe dem Haus grelle Scheinwerfer installiert worden. Die Lichtschranke sollte verhindern, dass Freier im Schutz der Dunkelheit auf ihr Vergnügen zusteuern können. Im November 2006 wurden 4100 Bürger-Unterschriften gegen das Bordell ins Rathaus gebracht. Trotz der Proteste war das Studio 69 am 8. Dezember 2006 eröffnet, bereits im Mai 2007 aber wieder geschlossen worden. Im Juli 2007 eröffnete in dem Gebäude die Bordellkette „Estrifi“ eine Filiale, die um die Jahreswende 2007/2008 wieder geschlossen worden war. (ach)

Von Jörg Steinbach

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