Eröffnung für Mai geplant

Neuer Betreiber für ehemaliges "Boccaccio": Kasseler Kult-Lokal bleibt italienisch

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Restaurant wird heller und größer: Gastronom Pietro Piancone in dem zur Goethestraße gelegenen Bereich des früheren „Boccaccio“. Entlang der Wand rechts im Bild ist eine lange Theke geplant, neu ist der Wanddurchbruch hinten zum anderen Gastraum.

Kassel. Das bisherige, seit dem Jahreswechsel geschlossene "Boccaccio" an der Ecke Goethestraße und Querallee soll unter neuem Namen als Gastronomie-Standort weitergeführt werden. Neuer Inhaber ist ein alter Bekannter.

Zurzeit werden die Räume entkernt und komplett modernisiert. Auf deutlich größerer Fläche soll es für die Gäste künftig ein erweitertes Angebot geben.

Neuer Betreiber wird ein alter Bekannter aus Kassels italienischer Gastronomie: Pietro Piancone hat während der vergangenen 17 Jahre im nahe gelegenen „L. da Vinci“ an der Lassallestraße gewirkt und sich dort nach eigenen Angaben aus dem Betreiberteam verabschiedet, um sich ganz seinem eigenen, neuen Projekt zu widmen. Gleich mit Beginn des neuen Jahres haben in den „Boccaccio“-Räumen umfangreiche Entkernungsarbeiten begonnen, wie man an Baumaterialien und -containern vor dem Haus sehen kann.

Mit der Neueröffnung sei etwa Anfang bis Mitte Mai zu rechnen, sagt Piancone. Er ist nahezu täglich auf der Baustelle und gab der HNA jetzt einen Einblick, wie sich die seit Jahrzehnten von Stammgästen ge- und bewohnten Räume verändern: Durch Wanddurchbrüche entsteht anstelle der bislang separaten Räume rechts und links des Eingangsflurs ein einziger großer Gastraum, der dennoch Nischen für größere Tischgesellschaften bietet.

Im ehemaligen Boccaccio wird umgebaut.

Etwa 160 Plätze wird das Lokal haben, dessen künftigen Namen der 36-Jährige vorerst noch nicht nennen will. Für die Planung zeichnen laut Piancone Inneneinrichter aus Italien verantwortlich. Fixpunkt dabei solle ein langgestreckter Thekenbereich werden, der sich winkelförmig durch beide Raumteile erstreckt.

Der Tresen spielt auch eine tragende Rolle im gastronomischen Selbstverständnis des geplanten Lokals, das nicht nur als Ristorante, sondern ebenso als Café und Bar funktionieren soll, wie Piancone sagt: Auch wer nur einen Wein oder Kaffee trinken will, der solle sich willkommen fühlen. Auf der Karte werden nach seinen Angaben authentische Gerichte aus verschiedenen Regionen Italiens stehen, sowohl für anspruchsvolle Restaurantgäste als auch für relativ kleines Geld.

Wie das frühere Boccaccio solle auch sein neues Lokal ein Ort werden, an dem sich alters- und szeneübergreifend ein breites Publikum zu Hause fühlt. Ab dem Mittagstisch-Geschäft werde der künftige gastronomische Anziehungspunkt durchgehend geöffnet sein, sagt Pietro Piancone.

Hintergrund: Gastro-Standort mit Geschichte

Das neobarocke Eckhaus Goethestraße/ Querallee 36 wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und beherbergte ab 1906 das Hotel Kaisereck. Diesen Namen trug noch lange nach der Aufgabe des Hotelbetriebs eine Gaststätte im Erdgeschoss des Hauses. 

Zwischen 1944 und 1953 war das Gebäude Sitz der Industrie- und Handelskammer Kassel. Anfang der 1950er-Jahre zog in die Gasträume das Bayern-Lokal „Haus Tegernsee“ ein.

Ab etwa 1977 war dort die Livemusikkneipe „Zwylle“ ansässig und einige Jahre später auch das Restaurant Boccaccio, das sich dann ab 1997 auf die Räume der Zwylle ausdehnte. Ab 2011 wurde das Gebäude umfassend saniert. Zum Jahresende 2017 lief der Pachtvertrag mit den Boccaccio-Betreibern aus.

Boccaccio in Kassel: Eine Geschichte in Bildern

Das Gebäude des Boccaccios Anfang des 20. Jahrhunderts. 
Das Gebäude Anfang des 20. Jahrhunderts: Damals hieß die Goethestraße noch Kaiserstraße und das Hotel dementsprechend Kaisereck.   © Archiv
Collage des "Haus Tegernsee" aus den 50er-Jahren. 
Eine Collage aus den 50er-Jahren: Damals hieß die Gaststätte "Haus Tegernsee". Später zog dier Konditorei Lukullus ein, danach die legendäre "Zwylle".  © Repro: Ludwig
HNA-Bericht zum Umbau des Boccaccio 1997.
Das Boccaccio umgebaut: 1997 stellen Vincenzo La Rocca (von links), Salvatore Perrone, Salvatore La Rocca, Hütt-Chef Frank Bettenhäuser und Architekt Wolfgang Schneider das neu eingerichtete Boccaccio vor.  © HNA/Archiv/Rosenthal
Spende am Klavier: Salvatore La Rocca im Jahr 2003.
Sammeln für die HNA-Aktion-Advent: Salvatore La Rocca im Jahr 2003 mit der Spendendose.  © Archiv
Kreative Deko: Mit großen Gabeln und Löffeln zog das Boccaccio 2005 die Blicke auf seine Fenster. 
Kreative Deko: Mit großen Gabeln und Löffeln zog das Boccaccio 2005 die Blicke auf seine Fenster.  © Archiv
Guiseppe Carrozzo, Armando Russo und Salvatore La Rocca (von links) können das nur schwer nachvollziehen. Das Boccaccio muss nun eine andere Lösung finden.
Streit um den Raucherraum: 2008 erließ das Ordnungsamt ein Verfahren gegen das Boccaccio, weil es den Thekenraum zu einem Raucherraum gemacht hat.  © Archiv
Mit zwei Pizzen: Betreiber Vincenzo La Rocca im Jahr 2009. 
Mit zwei Pizzen: Betreiber Vincenzo La Rocca im Jahr 2009.  © Archiv
Baugerüst von außen: So sah der Eckturm des Boccaccio im Februar 2012 aus. 
Baugerüst von außen: So sah der Eckturm des Boccaccio im Februar 2012 aus.  © Archiv
Das Boccaccio an der Goethestraße von außen in 2017. 
Das Boccaccio an der Goethestraße von außen in 2017.  © Archiv
Ein halbes Jahr vor dem Schluss: die Inhaber Lucia Carrozzo, Vicenzo La Rocca und Salvatore La Rocca.
Ein halbes Jahr vor dem Schluss: die Inhaber Lucia Carrozzo, Vicenzo La Rocca und Salvatore La Rocca. © Schwarz

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