Ehemann: Das war ein Komplott

Amtsgericht spricht 47-Jährigen vom Vorwurf der Vergewaltigung an Ehefrau frei

Kassel. Der Angeklagte hatte sein Fotoalbum gefleddert. Die Bilder, die er dem Gericht überreichte, zeigten ihn und seine Exfrau in inniger Umarmung. Sekt trinkend und Küsse tauschend. Aufgenommen wurden sie mehrere Monate, nachdem sich das Paar getrennt hatte. Und nachdem die 45-Jährige ihren Ehegatten der Vergewaltigung bezichtigt hatte.

Als der Fall nun vor dem Kasseler Amtsgericht verhandelt wurde, sollte das nicht der einzige schwer erklärbare Widerspruch bleiben. Stundenlang wurde die Frau unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen – ohne jedoch das Gericht von ihrer Geschichte überzeugen zu können. Nach achtstündiger Verhandlung befand darum Richterin Focke: „Wir können der Zeugin nicht hinreichend glauben.“ Und damit blieb nur eines: Der Angeklagte wurde freigesprochen – im Einvernehmen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Nur Nebenklägeranwalt Olav Stalling, der das angebliche Opfer vertrat, hatte noch auf einer Verurteilung des 47-Jährigen bestanden und zweieinhalb Jahre Haft gefordert.

Die Vorwürfe hatten es in sich: Bereits im Juli 2004, so hieß es in der Anklage, sollte sich der arbeitslose Ingenieur an seiner Ehefrau vergangen haben. Er habe sich dabei nicht nur einen Dreck um ihr Nein geschert – es sei ihm auch egal gewesen, dass die Frau erst kurz zuvor wegen einer Eileiterschwangerschaft operiert worden war. Und deshalb besonders heftige Schmerzen erlitten habe, als er gegen ihren Willen in sie eingedrungen sei.

Für den Angeklagten war das freilich alles einfach nur „eine totale Lüge“. Und bloß erklärbar als ein Komplott: Im Oktober 2008 habe seine Frau sich von ihm getrennt, weil sie einen anderen Mann kennengelernt habe. „Danach hat der ganze Zirkus angefangen“, sagte der 47-Jährige. „Ich habe gestört – die wollten mich kaputt machen.“ Und erreichen, dass er in sein südamerikanisches Herkunftsland abgeschoben würde. Erst kurz nach der Trennung jedenfalls, so viel steht fest, war die 45-Jährige zur Polizei gegangen – mehr als vier Jahre nach der vermeintlichen Tat also.

Was sie aber nicht davon abhielt, den Mann, der sie vergewaltigt haben sollte, weiter regelmäßig in seiner neuen Wohnung zu besuchen.

Dass die Frau das trotz der unmissverständlichen Fotos zunächst bestritt, gehörte zu den vielen Ungereimtheiten, die schließlich zum Freispruch führen mussten. „Sie gibt Antworten“, so hatte es die Psychologin in ihrem Glaubwürdigkeitsgutachten diplomatisch ausgedrückt, „ohne sie vorher an der Realität zu überprüfen.“ Mit anderen Worten: Sie redet schneller, als sie denkt. Oder - auch das ist möglich - sie lügt.

Ob sie ihren Ex-Gatten tatsächlich ganz gezielt falsch beschuldigt hat, muss die Staatsanwaltschaft nun in einem Ermittlungsverfahren gegen die 45-Jährige klären.

Von Joachim F. Tornau

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