Der Kriminalbeamte Kai Metze wurde von der Bundeswehr für seine Arbeit am Hindukusch ausgezeichnet

Ehre für Afghanistan-Einsatz

Er war für die Ausbildungskonzepte verantwortlich: Kriminaloberkommissar Kai Metze (links) mit afghanischen Polizisten. Foto:  privat/nh

Kassel. Wenn der deutsche Verteidigungsminister, der Innenminister oder internationale Delegationen Afghanistan besucht haben, dann war Kai Metze für die Sicherheit der Gäste mitverantwortlich. Bis Mai dieses Jahres war der 41-jährige Kriminalbeamte aus Kassel für das German Police Projekt Team (GPPT) am Hindukusch tätig.

Es war der zweite Einsatz Metzes  in Afghanistan. Bei seinem ersten Aufenthalt bildete der Kriminalbeamte afghanische Polizisten aus. Zwischen Mai 2010 und Mai 2011 war er nun für die Entwicklung von neuen Ausbildungskonzepten, deren Umsetzung sowie Sicherheitsfragen zuständig.

Zusammen mit der Bundeswehr bereitete Metze Besuche von Politikern vor, stand beratend zur Seite und koordinierte die Einsätze. Diese Arbeit muss er ziemlich gut gemacht haben: Kai Metze ist der erste und bislang einzige Polizeibeamte, der für seinen Einsatz in Afghanistan von der Bundeswehr ausgezeichnet worden ist (siehe Hintergrund).

Metze beschreibt seine Aufgaben als „große Herausforderung“, die nicht ungefährlich war. „Unser Lager wurde unter anderem auch mit Raketen beschossen.“ Metze lebte in Feisabad, war dort in einem Container untergebracht.

Er erzählt von Patrouillen, die unter Beschuss waren. Menschen, mit denen Metze tagtäglich zusammengearbeitet hat, wurden in Afghanistan getötet: Ein deutscher Personenschützer und der höchste afghanische Polizeigeneral, der kurz nach seiner Abreise im Mai ums Leben kam.

Metze kannte auch Bundeswehrsoldaten, die im Einsatz starben. „Das trifft einen hautnah.“ Nichtsdestotrotz sei es ihm leichter gefallen, einfach weiterzuarbeiten, als die Fragen seiner Familie in Deutschland zu beantworten. Dreimal hat der 41-Jährige seine Frau, Tochter und Sohn in dem Jahr besuchen können. Jeweils für zehn Tage.

„Bitte, nicht abziehen“

Das Sicherheitsgefühl der Menschen in Afghanistan sei seit Beginn des internationalen Einsatzes gestiegen, sagt Metze. Das habe er von den Menschen in vielen Gesprächen erfahren. Jetzt hätten sie keine Angst mehr, auf der Straße misshandelt oder verschleppt zu werden. „Bitte, nicht abziehen“, habe er oft von der Bevölkerung zu hören bekommen. Der 41-Jährige weiß nicht, wie lange der internationale Einsatz in Afghanistan noch erforderlich sein wird. Das erklärte Ziel der Politik, dass die afghanische Bevölkerung die Eigenständigkeit wieder übernimmt, werde nur langsam erreicht. Die größten Probleme stellten die Korruption auf allen Ebenen und ethnische Konflikte dar. „Es bedarf viel Aufwand, um die Stammesfürsten an einen Tisch zu bekommen.“

Was hat er aus Afghanistan mitgenommen? „Uns sollte bewusst werden, wie gut es uns in Deutschland geht. Bei uns wird auf einem hohen Niveau gejammert.“ Metze ist zudem von der Gelassenheit der Afghanen beeindruckt. Pünktlichkeit und Zeit spielten dort keine Rolle. „Dort ist es nicht unverschämt, zu einer Verabredung zu spät zu kommen, sondern jemanden stehen zu lassen, den man auf dem Weg dorthin trifft.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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