Oberbürgermeister: „Walter Lübcke war ein Brückenbauer“

Ehre für Walter Lübcke: Kassel benennt Brücke nach CDU-Politiker

Oberbürgermeister Christian Geselle und Irmgard Braun-Lübcke enthüllten das Schild an der Walter-Lübcke-Brücke an der Fulda in Kassel.
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Oberbürgermeister Christian Geselle und Irmgard Braun-Lübcke enthüllten das Schild an der Walter-Lübcke-Brücke an der Fulda in Kassel.

Zwei Jahre nach der Ermordung des Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat Kassel die Fußgängerbücke am Rondell nach ihm benannt. Die Brücke soll auch Mahnung sein.

Kassel – Der Platz an der Fulda hinter dem Kasseler Regierungspräsidium war für Walter Lübcke ein besonderer Ort. Darauf wiesen fast alle Redner hin, als gestern die Fußgängerbrücke an der Schlagd offiziell in Walter-Lübcke-Brücke umbenannt wurde.

Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) sagte, dass man den CDU-Politiker hier immer wieder antreffen konnte, „schnuddelnd“ und an den Menschen interessiert. Der Fuldaer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand wusste, dass sein Freund sogar gern dienstliche Besprechungen in den Biergarten am Rondell verlegte.

Alle waren sich einig, dass es in Kassel kaum einen besseren Ort gibt, um dem vor zwei Jahren von einem Rechtsextremisten erschossenen Regierungspräsidenten zu ehren. Denn Lübcke „war ein Brückenbauer im besten Sinn“, wie Geselle sagte, bevor er mit Irmgard Braun-Lübcke das Schild enthüllte.

Auch die beiden Söhne waren zu der Feierstunde gekommen, die die Stadt eigens nicht angekündigt hatte, um sie wegen der Pandemie klein zu halten. Für die Familie ist die Umbenennung eine „große Wertschätzung“, wie sie in einem Statement der Stadt zitiert wird: Die Brücke stehe symbolisch dafür, dass „unser Ehemann und Vater als Mensch und Politiker sein Leben auf dem tragenden Grund der demokratischen Werte aufgebaut hat“.

Mit der Umbenennung ist auch eine jahrelange Diskussion über den bisherigen Namensgeber Karl Branner beendet. Die Verstrickungen des ehemaligen Oberbürgermeisters während der NS-Zeit hatten zu einer lokalpolitischen Kontroverse über ein angemessenes Gedenken geführt.

In der einstündigen Feierstunde, die vom Violinenensemble der Kasseler Musikschule begleitet wurde, würdigte Geselle den „aufrechten Demokraten“ Lübcke, der „für seine Überzeugungen mit dem Leben bezahlen musste“. Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber sagte, dass „jeder, der über die Brücke geht“, auch mit der Tat konfrontiert werde. Und Brand mahnte: „Die Brücke ist nicht nur eine bloße Erinnerung, sondern Auftrag an uns alle, sich nicht wegzuducken“. Zudem erinnerte der Osthesse an die Wolfhager Walter-Lübcke-Schüler, die Initiative „Offen für Vielfalt“ und die Martins-kirche, die mit ihrem Gedenken am zweiten Todestag am 2. Juni ein wichtiges Zeichen gesetzt hätten. Auch deshalb ist Brand davon überzeugt: „Walter Lübckes Werte sterben nicht.“

Wahrscheinlich hätte Walter Lübcke auch die Art und Weise gefallen, wie seine Brücke eingeweiht wurde: Der Platz vor dem Renthof, an dem sich alle versammelt hatten, war nicht abgeriegelt, wie es bei solchen Gelegenheiten oft der Fall ist. Fußgänger und schiebende Radfahrer konnten ihn auch während der Feier passieren. (Matthias Lohr)

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