Private Stadtrundgänge

Ehrenamtliche Fremdenführer sollen Touristen ihre Lieblingsorte zeigen

Sie wollen in Kassel „willkommen“ sagen: Einheimische sollen Touristen ihr ganz persönliches Kassel zeigen. Vorne links neben dem Herkules steht Heinz Fundner, der die Idee nach Kassel holte. Rechts neben dem Herkules steht Angelika Hüppe, Geschäftsführerin von Kassel Marketing. Foto: Auel

Kassel. Hier geh ich einkaufen, dort schmeckt das Bier am besten und das ist mein Lieblingsplatz. Freiwillige Touristenführer sollen Besuchern ihr ganz persönliches Kassel zeigen. Die Idee stammt aus den USA und soll nun auch in der documenta-Stadt umgesetzt werden.

Etwa 30 potenzielle Stadtführer kamen kürzlich in die Kasseler Touristeninformation, um mehr über das Projekt zu erfahren.

Ihre Motivationen sind unterschiedlich. Da wäre zum Beispiel Christian Piek, 31, Stadtplaner. Er ist gerade arbeitslos und möchte seine freie Zeit sinnvoll nutzen. „Außerdem möchte ich den Leuten zeigen, dass manche Plätze in Kassel besser sind als ihr Ruf“, sagt er und denkt an sein eigenes Viertel. Christian Piek wohnt in Kassel-Mitte.

Marlen Rieser macht schon jetzt kleine Führungen durch Kassel. Oft habe sie Menschen gesehen, die hilflos vor dem Stadtplan standen. „Ich gehe auf sie zu und helfe ihnen“, sagt die Rentnerin.

Die Aktion läuft unter dem Namen „Kassel Greeters“, was zu deutsch etwa „Kassel Begrüßer“ heißt. Bereits im Vorfeld gab es Kritik an dem englischen Begriff. „Die Greeters sind ein weltweites Netzwerk“, erklärt Heinz Fundner, der die Idee nach Kassel brachte. Wer bei ihnen mitmachen möchte, müsse sich an gewisse Regeln halten. So ist unter anderem der Name vorgegeben.

Der 64-Jährige wird die Schaltzentrale der Organisation in Kassel übernehmen. Bei ihm können sich die Touristen über eine Internetseite für eine kostenlose Stadtführung anmelden. Heinz Fundner stellt dann den Kontakt zu den jeweiligen Stadtführern her.

„Es gibt keine besonderen Qualifikationen, die man mitbringen muss, um mitmachen zu können“, sagt er. Fremdsprachenkenntnisse seien gerne gesehen, aber keine Voraussetzung.

Die Stadt Kassel unterstützt den Aufbau der Greeters in Kassel zwar, das Projekt soll später aber eigenständig sein. „Wir wollen nicht unsere kostenpflichtigen Stadtführungen untergraben“, sagt Angelika Hüppe, Geschäftsführerin von Kassel Marketing.

Das weltweite Netzwerk der Greeters finanziert sich durch Sponsoren, die Stadtführer selbst bekommen Spenden von ihren Gästen für ihre sonst ehrenamtliche Tätigkeit.

Von Juri Auel

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