Pool von Übersetzern der Caritas

Service beim Gang zum Amt: Ehrenamtliche übersetzen in 21 Sprachen

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Sorgen für Durchblick: (hinten von links) Sprachmittlerin Katayoon Bahramian, Gabriele Manß-Reschke, Hilla Zavelberg-Simon (beide von der Caritas), vorne: Maria Sanna (Caritas) und mit Sprachmittler Emad Alboushi.  

Kassel. Die Caritas Nordhessen-Kassel hat einen Pool von Übersetzern aufgebaut, die beim Kontakt mit Ämtern helfen. Die Ehrenamtlichen übersetzen in 21 Sprachen.

Brücken bauen zwischen Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen, ist ein schwieriges Unterfangen. Besonders problematisch wird es, wenn es sich um bürokratische Angelegenheit handelt, die bewältigt werden müssen. Hier ist es mit einem Lächeln, einem Händedruck nicht mehr getan. Mit dieser Situation sahen sich die Mitarbeiter der Caritas Nordhessen-Kassel vor allem bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten konfrontiert. Jetzt hat sich die Caritas einen Pool an Sprachmittlern geschaffen.  

„Wir haben uns früher beholfen, indem wir Muttersprachler, die Deutsch sprechen, hin und wieder baten, für uns zu übersetzen“, sagt Hilla Zavelberg-Simon, Fachbereichsleitung des Migrationsdienstes bei der Caritas. Bald sei aber allen klar geworden, dass das keine Lösung des Problems sein kann.

Vorbereitungen laufen seit rund vier Jahren

Die anspruchsvolle Arbeit des Übersetzens musste auf ein gut organisiertes, vor allem stabiles Fundament mit zuverlässigen Mitarbeitern gestellt werden. Vor rund vier Jahren begannen deshalb bei der Caritas die Vorbereitungen, um einen Pool an Sprachmittlern mit vielen Sprachen aufzubauen. „Wir starteten ausdrücklich mit Ehrenamtlichen, denn es ist uns wichtig, dass wir keinen professionellen Dolmetscher ersetzen wollen“, sagt Zavelberg-Simon.

Inzwischen ist der Pool auf hundert Mittler und 21 Sprachen angewachsen. Sogar Sprachen wie Mandarin und Hindi sind dabei. „Wir können jetzt mit unseren vielen Sprachmittlern eine kultursensible Übersetzung bieten“, so Zavelberg-Simon. Ein besonders gefragter Mittler, der stets mit einem Lachen im Gesicht und auffallendem Engagement zur Verfügung steht, ist Emad Alboushi. Er steht vor allem für arabisch geführte Gespräche zur Verfügung.

Der 30-jährige Flüchtling aus Syrien lebt seit drei Jahren in Deutschland, und es ist beeindruckend, wie gut der studierte Wirtschaftswissenschaftler in dieser Zeit die deutsche Sprache erlernt hat. Er erinnert sich: Als er selber nach Deutschland kam, habe er das Glück gehabt, sich relativ gut mit Englisch verständigen zu können. Und doch werde er niemals vergessen, wie schwer es ist, sich zu orientieren und Fuß zu fassen in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht. Die Klienten seien in der Regel sehr glücklich über das Angebot.

„Ich habe seinerzeit auch Helfer gebraucht und ich habe sie von der Caritas erhalten“, sagt Emad. Dafür sei er sehr dankbar. Heute ist es deshalb für ihn eine Selbstverständlichkeit, ebenfalls zu helfen. „Ich möchte zurückgeben, was ich an Hilfe erfahren habe.“

Übersetzer bekommen das Angebot einer Supervision

Ebenso wie seine Kollegin Katayoon Bahramian aus dem Iran und die anderen aus dem Pool, hat Emad eine Reihe an Fortbildungskursen besucht. Dabei haben sie sich mit Asylrecht, Traumata und mehr auseinandergesetzt.

Katayoon, die seit neun Jahren in Deutschland lebt, hat Englisch studiert und möchte jetzt Deutsch als Fremdsprache draufsatteln. Durch ihre Mittlertätigkeit, in deren Rahmen sie die Trauma-Therapie einer geflüchteten Person begleitet und übersetzt, hat sie für sich den Entschluss gefasst, sich beruflich auf die Arbeit mit traumatisierten Frauen zu spezialisieren.

Gerade weil es das Übersetzen nicht selten in sich hat, nehmen die Mittler das Angebot einer Supervision gerne an. Besonders gut gefällt vielen der Sprachmittler-Stammtisch, den die Caritas eingerichtet hat. Emad Alboushi trifft man dort häufig an: „Wir sind einfach ein gutes Team.“

Das ist der "Trans-it Sprachmittler-Pool"

Das Angebot „Trans-it Sprachmittler-Pool“ der Caritas Nordhessen-Kassel richtet sich an gemeinwohlorientierte Institutionen und Behörden in der Stadt und im Landkreis Kassel, auch an Städte und Gemeinden. Ziel ist es, Sprachbarrieren zu überwinden. Das Projekt wird durch die Stadt Kassel und den Hilfsfonds des Bistums Fulda gefördert. 

Bei den Sprachmittlern handelt es sich um Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, Menschen die seit zwei Jahren oder seit mehren Jahrzehnten in Deutschland leben. Sie sollten für eine Bewerbung mindestens über ein Sprachniveau im Bereich B1, C1 verfügen. Die Sprachmittler bringen Voraussetzungen mit, Zavelberg-Simon nennt sie Mindeststandards: Unter anderem müssen sie ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen und eine Schweigepflichtserklärung sowie eine Neutralitätsverpflichtung unterschreiben. Es gibt eine Einführung von einer professionellen Dolmetscherin. 

Zurzeit komme der Pool auf 20 Einsätze pro Woche. „Wir haben aber Kapazitäten für mehr Einsätze“, so Zavelberg-Simon. Vergütet wird den Sprachvermittler ihr Einsatz mit 15 Euro pro Stunde. Sie übersetzen ausschließlich mündlich. Gemanagt und betreut wird das Projekt bei der Caritas von vier Mitarbeiterinnen: Gabriele Manß-Reschke, Maria Sanna, Melanie Sakkalaek sowie Elena Kusmina. Die Sprachmittlung kostet 22 Euro je angefangene Stunde. Gegebenenfalls können Fahrtkosten hinzukommen. 

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