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Denkmal für Opfer und Täter: Ehrenmal soll nur noch Mahnmal sein

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Von: Matthias Lohr

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Soll nun erinnern und mahnen: Die Gedenkstätte in der Karlsaue wurde 1928 für die Toten des Ersten Weltkriegs eingeweiht. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik. Nun reagiert das Land. Archi
Soll nun erinnern und mahnen: Die Gedenkstätte in der Karlsaue wurde 1928 für die Toten des Ersten Weltkriegs eingeweiht. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik. Nun reagiert das Land. Archi © Bastian Ludwig

Am Denkmal in der Kasseler Karlsaue wird auch Militäreinheiten gedacht, die Kriegsverbrechen begangen haben sollen. Nach Kritik daran reagiert das Land: Aus dem Ehrenmal wird ein Mahnmal.

Kassel – Als Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn vor einem Jahr das sanierte Ehrenmal in der Kasseler Karlsaue wieder freigab, war vielen schon klar, dass es mit der Instandsetzung der Gedenkstätte für die Gefallenen und Opfer der beiden Weltkriege nicht getan war. Die Grünen-Politikerin erinnerte daran, dass unter den Geehrten „aller Wahrscheinlichkeit nach Menschen sind, die Verbrechen begangen haben“.

Auch deswegen hat der Kasseler Jens Bukowski im März eine Petition an den Landtag eingereicht, die eine Umbenennung in Gedenkstätte fordert. Das undifferenzierte Wort „Ehre“ vertusche den Unterschied zwischen Opfer- und Täterrollen, begründete das Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft: „Es passt nicht. Es muss gestrichen werden.“

Bislang hat Bukowski keine abschließende Antwort erhalten. Auf HNA-Anfrage teilt das Ministerium jedoch mit, dass der umstrittene Begriff „Ehre“ tatsächlich wegfällt. Die Gedenkstätte soll nun nur noch Mahnmal genannt werden. Laut Dorn verdienen nicht alle Einheiten, derer am Denkmal gedacht wird, „eine würdigende Erinnerung“. Der Ort eigne „sich aber sehr wohl zur Mahnung, denn zur Erinnerungskultur gehört der Diskurs, gehören gleichermaßen Gedenken und Trauer wie das Bewusstsein für die Verbrechen“.

Für Bukowski ist dies „ein Erfolg meiner Petition auf ganzer Linie“, wie er sagt. Zumal es weitere Veränderungen bei der Erinnerung gibt. So hat das Landeskommando Hessen der Bundeswehr der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) mitgeteilt, dass Soldaten und Reservisten am Volkstrauertag nicht mehr an Gedenkveranstaltungen an dem Denkmal teilnehmen werden. Auch dies war zuletzt ein Streitpunkt. Die Tafel zur Erinnerung an die 2. Panzergrenadierdivision der Bundeswehr lässt die Armee abmontieren. Der Traditionserlass lasse ein Gedenken nicht zu, da auf den Tafeln der Anlage auch „nicht-traditionswürdige Verbände der Wehrmacht“ aufgeführt sind. Einigen werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.

MHK-Direktor Martin Eberle hatte nach Vandalismusanschlägen von anonymen Kritikern des Mahnmals betont, dass sich sein Haus kritisch mit der Geschichte des 1928 eingeweihten Denkmals auseinandersetze. Derzeit wird ein Vermittlungskonzept mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge entwickelt.

Dem SPD-Stadtverordneten Norbert Sprafke reicht die Antwort aus Wiesbaden allerdings nicht aus. Der ehemalige Wehlheider Ortsvorsteher hat sich ausgiebig mit dem Mahnmal auseinandergesetzt und kritisiert unter anderem eine Tafel für das Panzerkorps Großdeutschland. Diese hat keinen Bezug zu Kassel, war laut Sprafke aber für Kriegsverbrechen verantwortlich. Seiner Ansicht nach sollte die Ehrentafel verschwinden oder wenigstens kontextualisiert werden.

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Esther Kalveram kritisiert den Umgang mit dem Mahnmal. Bereits im August hatte sie eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. In Wiesbaden verweist man auf eine Kontextualisierung auf einer Hinweistafel. Dort heißt es, dass die Tafeln, die sich auf den Zweiten Weltkrieg beziehen, bewusst „nicht restauriert oder erneuert, sondern nur gereinigt und gesichert“ worden seien. Dies solle eine Distanz zu den Verbrechen der Wehrmacht zum Ausdruck bringen. (Matthias Lohr)

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