Böttger (SPD) will zentralen Gedenkplatz auf Friedhof, Hildebrandt (CDU) will Stätte Am Fronhof behalten

Am Fronhof: Ehrenmal sorgt für Unruhe

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Wollen den Platz Am Fronhof neu gestalten: Bei den Vorstellungen von Ortsvorsteher Harald Böttger (links) und Horst Correus (Heimatverein Dorothea-Viehmann) spielt das Ehrenmal keine Rolle.

Niederzwehren. Eine Sache ist unstrittig: Das Ehrenmal, das 80 Jahre auf dem Platz Am Fronhof in Niederzwehren stand, ist stark sanierungsbedürftig. Das Fundament bröckelte, es bestand die Gefahr, dass das Ehrenmal aus Buntsandstein in geraumer Zeit zusammenstürzt, sagt Dieter Schob vom städtischen Hochbauamt.

Aus diesem Grund setzte die Stadt einen Beschluss des Ortsbeirats Niederzwehren auch zügig um. Da keine Haushaltsmittel für die Sanierung vorhanden sind, wurde das Ehrenmal, das an die gefallenen Soldaten der Weltkriege erinnerte, kürzlich abgebaut, in seine Bestandteile zerlegt und im Bauhof an der Bunsenstraße eingelagert.

Was aus dem Ehrenmal und dem Platz Am Fronhof wird, darüber gibt es im Stadtteil unterschiedliche Ansichten. Ortsvorsteher Harald Böttger (SPD) möchte nur noch eine gemeinsame Gedenkstätte für die Opfer der Weltkriege im Stadtteil. Er schlägt vor, diese auf dem Friedhof in Niederzwehren einzurichten - an jener Stelle, wo bereits das Mahnmal steht. Böttger argumentiert, dass zum Volkstrauertag seit Jahren nur noch offizielle Vertreter aus Politik und Vereinen erscheinen. Der Ortsbeirat lege seit einigen Jahren am Volkstrauertag auch nur noch einen Kranz nieder, da es den Teilnehmern zu viel sei, verschiedene Gedenkstätten aufzusuchen.

Ortsvorsteher Böttger vertritt die Ansicht, dass man an einem würdigen Mahnmal sowohl der Soldaten als auch der zivilen Opfer der Kriege gedenken könne. Der Friedhof sei dafür ein angemessener Ort.

Jörg Hildebrandt, Vorsitzender der CDU Niederzwehren, der Oberstleutnant der Reserve und Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Kassel ist, sieht das anders. Das Ehrenmal für die Soldaten gehöre nach wie vor in den öffentlichen Raum und dürfe nicht auf einem „Friedhof versteckt“ werden. Für eine Summe von 2000 bis 3000 Euro könne das Ehrenmal sicher saniert und wieder auf dem Platz Am Fronhof aufgestellt werden.

Böttger und der Heimatverein Dorothea-Viehmann haben andere Pläne mit dem lauschigen Fleckchen im Märchenviertel. Der Platz soll mit historischem Pflaster neu gestaltet werden. Der Heimatverein hat bereits einen Architekten beauftragt, dessen Konzept im September vorgestellt werden soll. Die Sanierung des Platzes würde 30 000 Euro kosten. Stadt und Ortsbeirat würden sich die Summe teilen.

Zudem haben Ortsbeirat und Heimatverein großes Interesse daran, herauszufinden, ob sich an der Stelle, wo das Ehrenmal stand, ein historischer Brunnen befindet. Vereinsmitglied Horst Correus hat anhand von alten Kirchenunterlagen recherchiert, dass hier eine Brunnenanlage aus dem Mittelalter sein könnte, die zur Befestigungsanlage Am Wehrturm gehörte.

Daran hat die CDU Niederzwehren wiederum großes Interesse. Sprecher Gerhard Rinder fordert die Stadt in einer Presseerklärung auf, baldmöglichst zu untersuchen, ob sich dort eine Brunnenanlage befindet, um dem Wunsch nach Geschichtsaufklärung nachzukommen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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